Lars Castellucci :
„Das Böse steckt in uns allen“

Lesezeit: 8 Min.
Kultur des Hinsehens: Lars Castellucci am Donnerstag in Berlin
Wie der SPD-Innenpolitiker das Thema sexualisierte Gewalt aus der Tabuzone holen will und was eine „Kultur des Hinsehens“ in der Politik bedeuten kann, erläutert Lars Castellucci im Interview.
Herr Castellucci, vor der Bundestagswahl und nun auch nach dem Münchner Missbrauchs-Gutachten haben Sie sich als einziger Bundespolitiker zu dem Thema sexuelle Gewalt geäußert. Habe ich andere Stimmen überhört?

Das Thema Kinderschutz hat im Koalitionsvertrag der Ampelregierung eine Bedeutung bekommen wie noch nie. Aber in der Politik setzt sich nichts von selber um. Es braucht immer Leute, die die Themen angehen. Das habe ich mir vorgenommen.

Warum haben Sie auf das Gutachten reagiert?

Es war klar, dass das Gutachten einen starken medialen Widerhall finden würde. Und es war auch klar, dass sich viele auf den vormaligen Papst Benedikt XVI. konzentrieren würden, was ja auch nachvollziehbar ist. Aber dahinter könnte man auch einen psychologischen Mechanismus vermuten. Eine Gesellschaft kann die Verantwortung für sexuelle Gewalt personalisieren und damit von sich selbst wegschieben. Das ist genau das, was nicht passieren darf.

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