https://www.faz.net/-gpf-8trbz

SPD im Aufwind : Schulz hängt die Kanzlerin ab

  • Aktualisiert am

Martin Schulz bei einem Programmforum in Herne Bild: dpa

Die SPD erreicht in der Sonntagsfrage den besten Wert seit Jahren. Noch mehr freuen sich die Sozialdemokraten aber wohl über den direkten Vergleich der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl.

          2 Min.

          Die Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat hat der SPD einen Schub in den Umfragen beschert. Die Sozialdemokraten kommen in dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-“Deutschlandtrend“ auf 28 Prozent. Das ist ein Plus von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat und der beste Wert, der für die SPD in dieser Legislaturperiode bisher vom „Deutschlandtrend“ gemessen wurde.

          Die Union büßt den Angaben zufolge im Vergleich zu den Zahlen vom Januar drei Prozentpunkte ein, bleibt mit 34 Prozent aber stärkste Kraft. Auch die Linkspartei und die Grünen verlieren jeweils einen Prozentpunkt und liegen beide bei acht Prozent.

          Schulz lässt Kanzlerin hinter sich

          Verluste muss im aktuellen „Deutschlandtrend“ ebenfalls die AfD hinnehmen - ihr Umfrageergebnis fällt mit zwölf Prozent drei Punkte niedriger aus. Die FDP kann leicht auf sechs Prozent zulegen. Für die Sonntagsfrage im Auftrag der ARD-„Tagesthemen“ befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch dieser Woche bundesweit 1506 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz der repräsentativen Umfrage liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.

          Der SPD-Vorstand hatte den früheren EU-Parlamentspräsidenten Schulz am Wochenende als Kanzlerkandidaten und künftigen Parteichef nominiert. Zuvor hatte der bisherige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf beide Aufgaben erklärt. Ein Sonderparteitag der Sozialdemokraten im März soll Schulz offiziell zum Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wählen.

          Öffnen

          Im direkten Vergleich lässt Schulz die Kanzlerin hinter sich: Laut „Deutschlandtrend“ würden sich 50 Prozent für den SPD-Kandidaten entscheiden, wenn der Bundeskanzler direkt gewählt würde. Dagegen würden nur 34 Prozent für Merkel stimmen. Sieben Prozent der Befragten geben demnach an, dass für sie keiner der beiden Politiker als Regierungschef in Frage kommt.

          Deutsche wünschen sich Fortsetzung der großen Koalition

          Die Meinungsforscher von Infratest dimap machen in der Bevölkerung den Wunsch nach einem Wechsel in der Bundespolitik aus. So geben 50 Prozent der Befragten an, dass die nächste Bundesregierung SPD-geführt sein sollte. Lediglich 39 Prozent sind der Auffassung, dass CDU/CSU die nächste Regierung führen sollten.

          Die Deutschen bevorzugen dabei mehrheitlich die Fortsetzung einer großen Koalition: Ein Bündnis aus Union und SPD fänden 43 Prozent gut beziehungsweise sehr gut für Deutschland. Eine Regierung aus Union und Grünen wird von 36 Prozent der Befragten positiv bewertet, eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken von 33 Prozent.

          Eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP fänden 31 Prozent gut beziehungsweise sehr gut für Deutschland, eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP 28 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.

          Amerika fast so unbeliebt wie Russland

          Die Werte für die SPD und Schulz sind nicht das einzige interessante Ergebnis des „Deutschlandtrends“. Der Umfrage zufolge verlieren die Vereinigten Staaten nach Amtsantritt von Präsident Donald Trump bei den Deutschen deutlich an Ansehen. Nur noch 22 Prozent der Bundesbürger hielten das Land für einen Partner, dem man vertrauen könne. Damit ist ist es fast auf den Wert von Russland abgerutscht, das auf 21 Prozent kommt. Vor der Präsidentschaftswahl im November waren die Vereinigten Staaten noch auf 37 Prozentpunkte mehr gekommen. Der jetzt ermittelte Wert ist ein Rekordtief.

          26 Prozent der Deutschen finden es der Umfrage zufolge gut, dass Trump seine Wahlkampfversprechen einlöst. 67 Prozent haben demnach die Sorge, dass durch die Politik des neuen Präsidenten die deutsche Wirtschaft geschwächt wird. 80 Prozent sind der Auffassung, die EU müsse nun enger zusammenrücken.

          Weitere Themen

          „Eine gute Nachricht“ Video-Seite öffnen

          Merkel zum Brexit-Deal : „Eine gute Nachricht“

          Bei ihrer Ankunft in Brüssel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass sie besonders erfreut sei, dass irische Premier mit dem Deal zufrieden sei. Die Einigung auf einen neuen Deal sei eine „gute Nachricht“.

          Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson (links) und Jean-Claude Juncker in Brüssel.

          Brexit-Einigung : Abschied von London

          Es besteht die Chance auf einen geregelten Brexit. Ganz Europa muss das Thema hinter sich lassen, das so viele physische und psychische Ressourcen verbraucht hat. Doch die EU sollte sich nicht täuschen: Mit Großbritannien verlässt nicht nur ein Nettozahler das gemeinsame Haus.
          Wolfgang Tiefensee beim Wahlkampf in Thüringen

          Wahlkampf in Thüringen : Frühstück bei Tiefensee

          Ob Rot-Rot-Grün in Thüringen weitermachen kann, hängt von vielen Dingen ab – unter anderem vom Abschneiden der FDP. Die schickt einen Spitzenkandidaten ins Rennen, der ganz nach dem Geschmack von Parteichef Christian Lindner ist.

          Globales Ranking : Apple ist die wertvollste Marke der Welt

          Die Marken von Amerikas Digitalkonzernen sind die wertvollsten der Welt, befindet eine neue Untersuchung. Deutschlands Autobranche schwächelt. Dennoch führt ein Autohersteller das deutsche Ranking an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.