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SPD : Ewig kann nicht Winter sein

  • -Aktualisiert am

Ein Traumpaar? Sigmar Gabriel und Andrea Nahles Bild: dpa

Die SPD sucht einen Weg aus dem Wahldesaster. Sigmar Gabriel soll an diesem Freitag zum Vorsitzenden gewählt werden. Wo er die SPD hinführen will, lässt sich im Bezirk Braunschweig, seiner Machtbasis, studieren.

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          Karl-Heinz Mühe ist alles, wofür die SPD einst stand. Vor 60 Jahren wurde er in eine Arbeiterfamilie im Braunschweiger Land hineingeboren, lernte nach der Volksschule Maschinenschlosser, trat noch als Kind den „Falken“, der sozialdemokratischen Jugend, bei und hatte hier, in Zeltlagern, auf Wanderungen und in Seminaren, ein zweites Bildungserlebnis. Am Lagerfeuer, bei Rotwein und den „Moorsoldaten“ aus der Liederfibel, keimte etwas in ihm auf.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Mühe machte sein Abitur nach, studierte Deutsch und Politik und wurde Lehrer. Der SPD hielt er die Treue, engagierte sich in der Kommunalpolitik in seiner Heimatstadt Schöppenstedt, wurde Ratsherr und dann Bürgermeister. In der Zwischenzeit wurde er in den Landtag von Hannover gewählt. Das war 1986, unter dem Oppositionsführer Gerhard Schröder - und Mühe stieg auf bis zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Dann kam das Jahr 2003. Damals hatte der Aufstieg Mühes, der der niedersächsischen SPD und im Grunde auch der Bundespartei ein Ende. Heute steht Mühe für die vielen Sorgen seiner Partei.

          An diesem düsteren Novembertag sitzt er im Volksfreund-Haus in der Braunschweiger Schlossstraße und weiß gar nicht recht, wo anzufangen: Bei Schröders famosem Wahlsieg im März 1998, mit dem er sich die Kanzlerkandidatur ergriff? Bei Sigmar Gabriels steilem Aufstieg in sehr jungen Jahren in Schröders Schatten? War der Absturz damit nicht schon programmiert?

          Der Geist der alten Sozialdemokratie

          Hier, im Volksfreund-Haus, hat Mühe Unterschlupf gefunden damals, 2003, als er aus dem Landtag geflogen war und erst einmal ins Nichts fiel. Gabriel, der gerade sein Ministerpräsidentenamt verloren hatte und übelgelaunt in den Reihen seiner dezimierten Oppositionsfraktion Platz nahm, versorgte Mühe mit einem Geschäftsführerposten. Das Volksfreund-Haus ist die Zentrale des SPD-Bezirks, dessen Vorsitz Gabriel nach Übernahme des Bundesvorsitzes an Hubertus Heil abtreten wird. Hier in der Schlossstraße, in der Gabriel schon unter seinem Vorgänger Gerhard Glogowski ordentlich aufzuräumen begann, musste sich nun, 2003, noch mehr ändern.

          In dem Backsteinbau, der 1913, im Todesjahr August Bebels, errichtet wurde, weht rein äußerlich noch der Geist der alten Sozialdemokratie: Vor dem Krieg beheimatete es nicht nur die SPD, sondern war auch Sitz des „Volksfreundes“, der Parteizeitung, deren Redaktionsstube SA-Schlägertrupps 1933 verwüsteten. Im Inneren reihen sich moderne Büroräume aneinander. Hier sind die Parteisekretäre des Bezirks, Mitarbeiter des Unterbezirks und der Bundestags- und Landtagsabgeordneten versammelt. Und oben im Dachgeschoss wohnt Glogowski - „Glogo“, wie der langjährige Bezirkschef und kurzzeitige Ministerpräsident in Braunschweig genannt wird. Einst verfügte jeder Unterbezirk über einen „Hauptamtlichen“, einen Parteibeamten. Heute haben sie nur noch eine Teilzeitkraft, die das Büro führt. Politische Sekretäre hat nur noch der Bezirk, genauer gesagt drei Geschäftsführer, die zur Hälfte für die Landespartei arbeiten, den Dachverband der mächtigen Bezirke.

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