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SPD-Spitze will Doppelspitze : Auf der Suche nach dem echten Team

Die kommissarischen SPD-Vorsitzenden am Montag in Berlin, Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel Bild: dpa

Die SPD will neue Wege gehen, mit Doppelspitze und Ur-Wahl. Noch hat sich kein Kandidat gemeldet – einige Namen kursieren aber.

          Alle erschöpft, aber glücklich und zufrieden – so beschreibt Torsten Schäfer-Gümbel am Montagnachmittag im Willy-Brandt-Haus die Gemütslage der sozialdemokratischen Führung. Stundenlang hatten die Genossen über den Weg beraten, wie sie sich eine neue Parteispitze nach dem Rücktritt von Andrea Nahles geben sollen. Am Ende zeigte man sich einträchtig. Eine Urwahl der Mitglieder soll es geben. Und: „Wir haben uns für die Möglichkeit der Doppelspitze klar entschieden“, sagte Malu Dreyer, einer der drei Übergangs-Vorsitzenden. Einen Wettbewerb soll es geben zwischen Zweier-Teams und Einzelkandidaten, wobei in den Teams, ganz nach Grünen-Vorbild, mindestens eine Frau sein muss.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Dass es auf eine Doppelspitze hinauslaufe, das hatte Generalsekretär Lars Klingbeil schon am Morgen in mehreren Interviews angekündigt. Die wünschten sich die Mitglieder, die mehr als 23.000 Vorschläge per E-Mail an das Willy-Brandt-Haus gesendet hatten. So unumstritten wie die Urwahl ist die doppelte Führung allerdings nicht. Zwar liefern die Grünen mit ihrem Duo aus Annalena Baerbock und Robert Habeck zurzeit das Beispiel für ein erfolgreiches Tandem, wenn es um die politische Beliebtheit der Partei geht. Aber frühere Erfahrungen der Grünen waren ganz anders. Die vorige Doppelspitze aus Simone Peter und Cem Özdemir war durch alles andere als Harmonie geprägt, und auch frühere Vorsitzende, etwa Reinhard Bütikofer und Claudia Roth, beäugten sich eher misstrauisch statt an einem Strang zu ziehen. Auch in der Linkspartei sind die Erfahrungen mit der Doppelspitze nicht konfliktfrei zu nennen. Deswegen, so sagte Schäfer-Gümbel am Montag, setze die Partei auf „Teams“.

          Wer macht's?

          Die Doppelspitze soll also nicht per Einzelentscheid über Kandidaten zusammengewürfelt werden, sondern Kandidaten, die sich gut verstehen, sollen sich gemeinsam bewerben. Das ist ein Novum, wie Schäfer-Gümbel hervorhob. „Erstmals in der Parteigeschichte können sich Teams bewerben.“ Und man ermutige ausdrücklich dazu, das auch zu tun. Einzelkandidaturen sind allerdings weiter möglich. Von Anfang Juli bis Anfang September können Bewerbungen eingereicht werden. Fünf Unterbezirke oder ein Bezirk oder ein Landesverband der SPD müssen sie unterstützen. Dann sollen die Bewerber sich auf „20 bis 30 Regionalkonferenzen“ vorstellen, am 26. Oktober soll das Ergebnis bekannt gegeben werden. Gibt es keine absolute Mehrheit für ein Team oder einen Bewerber, dann folgt eine Stichwahl, der Parteitag im Dezember soll das Ergebnis bestätigen.

          Die Frage „Wer macht’s?“ wird also die nächsten Wochen bestimmen. Als heiße Kandidatin hat sich Familienministerin Franziska Giffey zuletzt selbst ins Gespräch gebracht. Vor einer Woche wollte sie zunächst im Fernsehen eine Kandidatur nicht ausschließen, dann gab sie der „Süddeutschen Zeitung“ ein ausführliches Interview, in dem sie auch über die notwendigen Anforderungen der Kandidaten für den Parteivorsitz sprach. „Die Leute entscheiden viel über den Bauch, über Sympathie. Es ist extrem wichtig, dass im Vorsitz jemand ist, der Bauch und Herz erreicht.“ Eben das Gefühl vermittle: Ich verstehe euch.

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