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Jasper von Altenbockum (kum.)

Corona-Politik von Jens Spahn : Es gibt Schlimmeres als das Virus

Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag in einem Krankenhaus in Bochum. Bild: dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn signalisiert einen anderen Umgang mit Corona: Wenn das Virus Russisch Roulette spielt, sollte der Staat vor lauter Schutz nicht noch brutaler sein.

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          Nach vielen Andeutungen hat Jens Spahn jetzt eine klare Botschaft nachgeliefert: Was sich im März und April in Deutschland abspielte, wird es so nicht wieder geben. Die Stichworte „Friseur“ und „Einzelhandel“ waren schon früher gefallen, aufhorchen ließ jetzt der Hinweis auf die Pflegeheime.

          Pauschale Besuchsverbote, versicherte Spahn, werde es auch im Falle stark vermehrter Corona-Infektionen nicht mehr geben müssen. Das ist eine mutige Feststellung angesichts der Risiken, die für Pflegeheime mit der Pandemie weiterhin verbunden sind.

          Die Bemerkung Spahns lässt sich deshalb nicht nur damit erklären, dass die Corona-Routine mehr Freiräume erlaubt. Offenbar hat sich auch der Blick auf die Krankheit geändert.

          Es wird ein Streit um des Kaisers Bart bleiben

          Vieles von dem, was im Frühjahr nach „Bergamo“ als geboten und opportun erschien, entpuppt sich heute als unnötig. Dass es so kommen würde, wusste man allerdings schon damals. Der Sinn des „Hammers“ war es schließlich, den Alltag erst einmal nahezu stillzulegen, um schrittweise herausfinden zu können, welcher wiederbelebte Teil dieses Alltags die Infektionen steigen lässt.

          Deshalb, und nicht weil man es schon immer hätte wissen können, ist man heute klüger als damals. Es wird ein Streit um des Kaisers Bart bleiben, ob die Pandemie auch ohne die März-Maßnahmen so „harmlos“ verlaufen wäre wie eine Grippewelle.

          Sicher ist dagegen, dass das Virus mit seinen Opfern, anders als das Grippevirus, Russisch Roulette spielt: Manche merken nichts, die anderen landen, wenn das Schicksal es will, auf der Intensivstation.

          Spahns „Entwarnung“ für die Pflegeheime hat deshalb gar nicht so sehr mit der Krankheit selbst zu tun. Die Grausamkeit, einen Sterbenden im Pflegeheim allein zu lassen und den Angehörigen den Abschied zu verwehren, muss abgewogen werden gegen das Russisch-Roulette mit Todesfolge. Ist diese Gefahr so grausam wie das andere?

          Der Staat hat die Frage noch vor wenigen Wochen seinem Auftrag untergeordnet, Schutz zu bieten. Weder kann er aber Schutz vor jedem Schicksal bieten noch darf er selbst Schicksal spielen. Da birgt der beste Schutz schon wieder Brutalität.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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