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Jasper von Altenbockum (kum.)

Debatte über Lockerungen : Spahn und der Corona-Boost

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU, rechts) und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Mitte Dezember in einer Pressekonferenz Bild: dpa

Nicht nur das Virus erlebt einen „Boost“ – sondern auch die Nervosität der Regierung. Nur so ist zu erklären, dass Spahn den Impf­stoff von Astra-Zeneca jetzt ohne Rück­stel­lung für die Zweit­do­sis verimpfen lassen will.

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          Da soll man sich nun einen Reim drauf machen: RKI-Chef Lothar Wieler sieht Auftrieb für das Coronavirus („Boost“) und die Mutanten auf dem Vormarsch; Gesundheitsminister Jens Spahn hingegen sieht uns auf dem Weg „raus aus der Pandemie“, wenn auch noch „harte Wochen“ vor uns liegen. Beides zugleich ist nur möglich, wenn die Impfstoffe auch auf Varianten anschlagen. Denn sonst folgt auf die zweite Welle der Pandemie gleich die nächste. Von „raus aus der Pandemie“ könnte dann erst einmal keine Rede mehr sein. Die Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am kommenden Mittwoch wird dadurch nicht einfacher. Über lang ersehnte Lockerungen lässt sich wohl angesichts der abflauenden Welle reden, aber nicht angesichts einer drohenden neuen.

          Nicht nur wegen des Ärgers über einen schleppenden Start der Impfkampagne drückt Spahn deshalb aufs Tempo. Die Ausbreitung neuer, hochansteckender Varianten und die Bildung von Mutanten können dadurch gehemmt werden, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung immunisiert wird. Sämtliche Dosen von Astra-Zeneca sofort zu verimpfen – ohne Rücksicht auf die Zweitimpfung – ist da das kleinere Risiko.

          Der Abstand zwischen den Impfungen kann größer sein als ursprünglich vorgesehen, und noch mal als unzuverlässiger Lieferant dazustehen wird sich das Unternehmen hoffentlich nicht leisten wollen. Der Vorgang zeigt: Nicht nur das Virus erlebt einen „Boost“, sondern auch die Nervosität der Regierung.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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