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Steigende Corona-Zahlen : „Die Lage spitzt sich zu“

Gekommen, um zu mahnen: Jens Spahn (rechts) und Lothar Wieler in der Bundespressekonferenz Bild: AFP

Jens Spahn und Lothar Wieler warnen: Die Hoffnung aufs Impfen allein wird die dritte Corona-Welle nicht brechen. „Weitere Einschränkungen“ seien unerlässlich.

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          Eine enge Kurve am Steilhang in den Dolomiten: Hier darf ein Auto höchstens mit 30 Kilometern in der Stunde unterwegs sein. „Wenn ich mit 100 reinfahre, ist das lebensgefährlich“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Donnerstag in Anspielung auf manchen Leichtsinn in der Corona-Pandemie: Sobald man von der Straße abkomme, „hilft auch keine Notbremse mehr“. Wer Wieler sowie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Corona-Koordinator am Berliner Universitätsklinikum Charité, Steffen Weber-Carstens, in der Bundespressekonferenz zuhörte, konnte tatsächlich den Eindruck bekommen, Deutschland stehe in der Pandemie kurz davor, aus der Kurve zu fliegen.

          Christian Geinitz
          (itz.), Wirtschaft
          Tim Niendorf
          (tnie.), Politik

          Zwar gebe es große Fortschritte beim Testen und Impfen, sagte Spahn. Zwischen Januar und März hätten zehn Prozent der deutschen Bevölkerung eine erste Injektion erhalten. Allein im April werde sich dieser Wert verdoppeln. Im Moment beträgt er 17,6 Prozent, jeden Tag werden 500.000 bis 700.000 Spritzen verabreicht. „Das zweite Quartal wird den entscheidenden Unterschied machen“, versprach Spahn, auch weil sich die EU 50 Millionen zusätzliche Dosen des Herstellers Biontech/Pfizer gesichert habe, von denen neun Millionen an Deutschland gingen. All das ändere aber nichts daran, dass die Infektionszahlen dramatisch zunähmen, sagte Spahn. „Gegen das exponentielle Wachstum kann man nicht animpfen oder antesten.“

          Öffnungsschritte erst, wenn Zahlen sinken

          Der Minister und die Mediziner zeigten sich einig darüber, dass neben dem Impfen alle Energie in das Brechen der dritten Welle gesteckt werden müsse. Dazu seien „entschiedenes Handeln und weitere Einschränkungen“ unerlässlich, so Spahn. Erst wenn die Ansteckungsquote stark sinke, könnten vorsichtige Öffnungsschritte erfolgen. Am besten wäre es, das gesamte öffentliche Leben zwei bis drei Wochen lang vollständig herunterzufahren.

          Spahn verteidigte die in der Novelle des Infektionsschutzgesetzes vorgesehene nächtliche Ausgangssperre jenseits einer dokumentierten Ansteckungsquote von 100 Fällen je 100.000 Einwohner in einer Woche („Sieben-Tage-Inzidenz“). Spahn zufolge geht es nicht darum, Treffen auf der Straße zu verbieten; Aerosolforscher bezeichnen die Ansteckungsgefahr im Freien als minimal. Wichtig sei, abendliche Zusammenkünften in Innenräumen zu unterbinden. Zuvor hatte schon Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) gesagt, Ausgangssperren könnten Infektionen nachweislich verhindern. Das Instrument habe „in vielen Staaten der Welt geholfen“.

          RKI-Präsident Wieler warnte vor stark steigenden Zahlen. Die bundesweite Inzidenz betrage inzwischen 160. Von 412 deutschen Landkreisen wiesen 400 einen Wert von mindestens 50 auf. Sechs von zehn Patienten, die wegen schwerer Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus kämen, litten unter Covid-19. Auf den Intensivstationen seien es neun von zehn. Immer mehr junge Patienten müssten an die „künstliche Lunge“ angeschlossen werden, die extrakorporale Membranoxygenierung (Ecmo).

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