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Spahn über Impfkampagne : „Wir werden einen langen Atem brauchen“

  • Aktualisiert am

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin Bild: AFP

Gesundheitsminister Jens Spahn sieht Deutschland gut vorbereitet auf die am Sonntag beginnende Corona-Impfkampagne. Der FDP-Vorsitzende widerspricht.

          2 Min.

          Deutschland ist laut Gesundheitsminister Jens Spahn gut auf die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes vorbereitet. „Die Impfzentren sind startklar, die Impfteams stehen“, sagte der CDU-Politiker am Samstag in Berlin. Gleichzeitig machte er klar, dass das Coronavirus mit dem Start der Impfaktion noch nicht besiegt ist. „Wir werden einen langen Atem brauchen, um diese Pandemie hinter uns zu lassen.“

          Die Corona-Impfungen sollen in Deutschland am Sonntag beginnen. Am Samstag waren erste Dosen des Biontech-Impfstoffs an die Bundesländer ausgeliefert worden. Die EU-Kommission hatte den Impfstoff des amerikanischen Herstellers Pfizer und seines Mainzer Partners Biontech am Montag zugelassen. Bis Ende des Jahres sollen 1,3 Millionen Dosen verteilt werden, sagte Spahn. Anfang des kommenden Jahres könnten dann bis zu 700.000 Impfdosen pro Woche verfügbar gemacht werden. Werde der Impfstoff des Herstellers Moderna in der EU zugelassen, könnten im ersten Quartal 2021 1,5 zusätzliche Impfdosen bereitgestellt werden, sagte Spahn.

          Spahn stimmte die Bürger darauf ein, dass angesichts der Größe der Kampagne vielleicht nicht alles sofort ganz glatt laufen wird. „Es wird an der einen oder anderen Stelle auch mal ruckeln, das ist ganz normal.“ Der Gesundheitsminister bekräftigte das Ziel, Mitte des Jahres „mit dem Impfen in die Fläche zu gehen und jedem der will, ein Impfangebot zu machen“.

          Das Bundesgesundheitsministerium beginnt mit dem bundesweiten Impfstart am Sonntag die Aufklärungskampagne „Ärmel hoch“. Die Impfung ebne den Weg hinaus aus der Pandemie, sagte Spahn.

          Laut einer Rechtsverordnung von Spahns Ministerium werden zunächst Hochaltrige geimpft, weil sie besonders häufig schwer erkranken, sowie medizinisches Personal und Pflegekräfte, die ein hohes Risiko haben, sich anzustecken. Erst danach werden stufenweise weitere Bevölkerungsgruppen geimpft. Die Impfungen sollen zunächst in speziellen Zentren verabreicht werden, auch um die Priorisierung zu gewährleisten. Die Terminvergabe organisieren die Bundesländer. Später sollen die Impfstoffe auch Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden.

          Lindner: Sind nicht gut genug vorbereitet

          Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner übte hingegen heftige Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung. „Wir sind nicht ausreichend vorbereitet auf das Impfen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die FDP hätte sich eine klare gesetzliche Grundlage dafür gewünscht, weil so wichtige Fragen von Leben und Tod auf breitester Grundlage beschlossen werden sollten. „Bei der Frage der Logistik sollten wir baldmöglichst über die Impfzentren hinaus auch den niedergelassenen medizinischen Bereich nutzen, damit wir schnell vorankommen beim Durchimpfen.“ „Aber die wichtigste dritte Voraussetzung ist freilich, dass wir hinreichend viele Impfdosen bekommen“, betonte der Vorsitzende der Freien Demokraten. Hier habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Zusagen gemacht. Aber: „Da ist noch einiges zu tun, damit das praktisch auch gewährleistet werden kann. Das Ziel bei Versorgung und Logistik muss ja sein, schnellstmöglich einen hinreichend großen Teil der Bevölkerung, der das für sich wünscht, durchimpfen zu können. Das ist ein Schlüssel auch zur weiteren Normalisierung des Lebens.“

          „Wir haben eine dramatische, alarmierende, schockierende Steigerung der Infektionszahlen bei den Älteren, auch bei den Hochbetagten, bei Menschen in stationärer Einrichtung“, sagte Lindner. Er kritisierte, dass nicht wirksame Maßnahmen ergriffen worden seien, um diese Risikogruppen zu schützen. „Das muss man ganz klar so ansprechen als ein schweres Versäumnis des gesamtstaatlichen Krisenmanagements. Das ist sehenden Auges geschehen.“ Dass der Schutz besonders gefährdeter Gruppen Priorität haben müsse, sei im Bundestag immer wieder angemahnt worden.

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