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Fehlende Transparenz : Spahn sieht Impfstoff-Zulassung in Russland mit Skepsis

Blickt skeptisch auf den russischen Impfstoff: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild: EPA

Der Gesundheitsminister kritisiert Moskaus fehlende Transparenz bei der Corona-Impfung. Wegen der steigenden deutschen Infektionszahlen mahnt er zur Wachsamkeit. Auch die Bundesregierung zeigt sich besorgt.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht die weltweit erste Zulassung eines Impfstoffes gegen das neuartige Coronavirus in Russland kritisch. Er schaue da sehr skeptisch nach Russland, sagte Spahn am Mittwoch im Deutschlandfunk. „Nach allem was wir wissen, ist das nicht hinreichend erprobt.“

          Es gehe nicht darum, irgendwie erster zu sein, sondern einen wirksamen, erprobten und damit auch sicheren Impfstoff zu haben. Dafür seien auch in einer solchen Pandemie Studien und Tests wichtig. Die russischen Behörden seien aber nicht sehr transparent vorgegangen, und es habe auch noch keine Phase-3-Studie mit einer breiten Erprobung am Menschen gegeben. „Das kann dann auch gefährlich sein, zu früh zu beginnen.“

          Auch das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, warnt vor zu großer Eile bei der Impfstoffzulassung. „Aus Sicht des Paul-Ehrlich-Instituts ist es auch in der aktuellen Pandemiesituation zwingend erforderlich, dass alle Prüfungen und Bewertungen mit der gleichen Sorgfalt erfolgen, wie bei anderen Impfstoffen“, schreibt das Institut in einer Mitteilung. Die Zulassung in Russland sollte mit Vorsicht betrachtet werden.

          Putins Tochter wurde geimpft

          Russland hatte am Dienstag als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen das Coronavirus für die breite Anwendung in der Bevölkerung zugelassen. „Das russische Vakzin gegen das Coronavirus ist effektiv und bildet eine beständige Immunität“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin im Staatsfernsehen. Eine seiner Töchter habe sich schon impfen lassen. „Sie fühlt sich gut.“ Der Impfstoff trägt den Namen „Sputnik-V“ und soll an den ersten Satelliten im All erinnern, den die Sowjetunion 1957 startete.

          „Die Amerikaner waren überrascht, als sie Sputniks Piepen hörten. Mit diesem Impfstoff ist es genauso. Russland wird ihn als Erstes haben“, sagte Kirill Dmitrijew, der Chef des russischen Investmentfonds, dem amerikanischen Sender CNN. Sein vom Kreml gegründeter Fonds finanziert die Produktion und Entwicklung des Impfstoffs, der vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt worden ist.

          Auf der ganzen Welt gibt es mittlerweile mehr als 170 Projekte, die nach Corona-Impfstoffen suchen. Den russischen Wirkstoff haben erst wenige Menschen im Rahmen einer Studie erhalten. Eine Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien widerspricht dem international üblichen Vorgehen. Die Weltgesundheitsorganisation hatte im Vorfeld klargestellt, dass es klare Richtlinien für die Entwicklung von Impfstoffen gebe. „Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird.“ Auch die Bundesregierung kritisierte die Zulassung. In Europa setze die Impfstoffzulassung „hinreichende Erkenntnisse aus klinischen Prüfungen zum Beleg von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit voraus“.

          „Ohne Zweifel besorgniserregend“

          Weltweit gibt es inzwischen mehr als 20 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Das geht aus Daten der Johns-Hopkins-Universität hervor. Forscher gehen aber von tatsächlich viel höheren Fallzahlen aus. In den Vereinigten Staaten, Indien und Brasilien wurden nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP fast zwei Drittel aller Fälle registriert. Mehr als 736.000 Tote, die das Virus trugen, wurden weltweit registriert.

          Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland erreichte am Mittwoch den höchsten Wert seit Anfang Mai. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 1226 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Höher lag der Wert zuletzt am 9. Mai mit 1251 registrierten Neuinfektionen.

          Spahn zeigte sich besorgt über die steigenden Infektionszahlen. „Das ist ohne Zweifel besorgniserregend“, sagte er im Deutschlandfunk. Er mahnte, jetzt „sehr wachsam“ zu sein. Dies gelte vor allem, weil es viele Ausbrüche im ganzen Land gebe. „Das kann natürlich, wenn wir jetzt nicht alle aufpassen, eine Dynamik entfalten“, sagte der CDU-Politiker.

          Auch die Bundesregierung warnte vor nachlassender Wachsamkeit. „Ich will für die Bundesregierung sagen, dass die Entwicklung dieser Zahlen uns Sorgen macht“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Er verwies darauf, dass die Infektionen sich im ganzen Land verbreiteten und nicht nur an einzelnen Punkten. Es sei auch bemerkenswert, dass deutlich mehr Jüngere unter den Infizierten seien, die mobil seien und das Virus schnell weitertragen könnten. „Wenn wir jetzt nicht alle aufpassen und wachsam sind, dann kann dieses Geschehen noch eine ganz eigene Dynamik entfalten.“ Derzeit sei das Gesundheitssystem gut vorbereitet. „Aber wir müssen eine Verschärfung der Situation vermeiden.“

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