https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/spahn-fordert-2-g-plus-ansteckungsgefahr-soll-minimiert-werden-17630956.html

Spahn fordert 2-G-Plus-Regel : „Sonst wird es ein bitterer Dezember“

Jens Spahn am Freitag in Berlin Bild: EPA

Auch Geimpfte und Genesene sollen sich bei Veranstaltungen testen lassen, fordert Jens Spahn. Der geschäftsführende Gesundheitsminister will ein gemeinsames Signal der Politik, um die vierte Welle zu brechen.

          2 Min.

          Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie hat der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag für einen 2-G-Plus-Regel bei Veranstaltungen geworben. Es sei notwendig, dass sich auch Geimpfte und Genesene zusätzlich einem aktuellen Test unterziehen würden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Spahn sagte, die Lage sei sehr ernst, und man müsse nun alles tun, um die Dynamik der vierten Welle zu brechen. „Sonst wird es ein bitterer Dezember“, sagte Spahn.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wenn nun nicht entschieden gegengesteuert werde, dann würden sich die Infektionszahlen alle zwei Wochen verdoppeln. Schon jetzt seien die Intensivstationen vieler Krankenhäuser in Bayern, Sachsen und Thüringen so überlastet, dass etwa Schlaganfälle oder Herzinfarkte nicht mehr in angemessener Weise behandelt werden könnten. In den Pflegeheimen sollten nicht nur das Personal, sondern ebenso alle Besucher, auch Genesene und Geimpfte, sich testen lassen, sagte Spahn.

          Es brauche nun ein gemeinsames Signal der Politik, dass man sich der vierten Welle entgegenstelle, forderte der CDU-Politiker. Das sei auch in einer Zeit notwendig, in der es noch keine neue Bundesregierung gebe. Deswegen sei es richtig, dass die Ministerpräsidenten in der kommenden Woche mit der Bundesregierung beraten würden. „Das hätte es aus meiner Sicht schon vor drei Wochen gebraucht“, sagte Spahn.

          Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte: „Es ist fünf nach Zwölf.“ Schon jetzt hätten viele Landkreise eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 800, vier sogar mehr als 1000. Derzeit befänden sich schon 2800 Infizierte auf Intensivstationen, so viele wie im Januar. Mehr als die Hälfte der Intensivstationen würden schon von Personalengpässen berichten. Ohne zusätzliche Maßnahmen werde sich die Lage nicht entspannen. „Die vierte Welle trifft uns mit voller Wucht“, sagte Wieler.

          Österreich wird Hochrisikogebiet

          Von den derzeit täglichen 50.000 Infektionsfällen würden rund 3000 im Krankenhaus behandelt werden müssen, davon 350 auf Intensivstationen, „mindestens 200“ würden sterben. Wieler riet dazu, Großveranstaltungen nach Möglichkeit ganz abzusagen.

          Spahn sagte, es brauche die 3-G-Regel, auch wie nun vorgesehen am Arbeitsplatz. Zu oft sei 3G aber in Wirklichkeit „Null-G“gewesen, weil nicht kontrolliert worden sei. Einen positiven Trend stellte Spahn beim Impfen fest. In dieser Woche habe man 4,3 Millionen Impfdosen an Impfstellen und Arztpraxen ausgeliefert, das seien viermal mehr als in den Wochen zuvor. Diese sollen auch eine höhere Vergütung erhalten. Mit einer geplanten Verordnung sollen Ärzte statt der bisherigen 20 Euro ab Dienstag 28 Euro als Vergütung erhalten, zudem soll es einen Wochenendzuschlag von 8 Euro geben.

          Mehr als zehn Prozent der Bürger über 60 Jahre hätten eine Auffrischungsimpfung erhalten, in Berlin seien es schon mehr als 20 Prozent. Er werde eine Verordnung unterschreiben, damit die Impfzentren bis Ende April weiter mindestens zur Hälfte vom Bunde finanziert würden. Auch müssten die kostenlosen Bürgertests schnell wieder eingeführt werden, eine entsprechende Testverordnung werde ab Samstag gelten.

          Außerdem werde Österreich wird ab Sonntag zum Hochrisikogebiet erklärt. Das heißt, nicht Geimpfte und nicht Genesene müssen sich nach ihrer Einreise in Deutschland selbst isolieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Supreme Court : Kulturkampf der Richter

          Abtreibung und Waffenrecht: Der Supreme Court urteilt gegen gesellschaftliche Mehrheiten in den Vereinigten Staaten. Das birgt Risiken für die Republikaner.
          Bundeskanzler Olaf Scholz und Präsident Joe Biden auf dem G-7-Gipfel in Elmau

          Russische Öleinnahmen : Ein Rückschlag für den Westen

          Russland profitiert vom steigenden Ölpreis. Ein Preisdeckel, über den auf dem G-7-Gipfel in Elmau beraten wird, könnte eine Lösung sein. Die Folgen sollten aber genau geprüft werden.

          G-7-Gipfeltreffen : Es eint die Einigkeit

          Was die Staats- und Regierungschefs der führenden Industriestaaten verbindet, ist ihr Widerstand gegen Putin. Bei inhaltlichen Vorstößen besteht aber noch Redebedarf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.