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Späterer Renteneintritt : „Eine gefühllose Entgleisung“

  • Aktualisiert am

Ein älterer Herr mit Stock geht im Sonnenschein ruhigen Schrittes die Offenbacher Fußgängerzone entlang. Bild: dpa

Ein von Ökonomen geforderter späterer Renteneintritt im Kampf gegen die Inflation stößt auf scharfe Kritik. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert spricht von „feuchten neoliberalen Träumen“. Der DGB nennt den Vorschlag eine „mutlose Leistungskürzung“.

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          Die SPD-Spitze lehnt eine von Ökonomen wegen der hohen Inflation ins Spiel gebrachte Erhöhung des Renteneintrittsalters strikt ab. „Der Vorschlag ist eine gefühllose Entgleisung. Die SPD wird nicht zulassen, dass Rentner zu Inflationstreibern und volkswirtschaftlichen Risikofaktoren erklärt werden“, sagte Generalsekretär Kevin Kühnert dem „Tagesspiegel“ vom Donnerstag. „Die SPD akzeptiert nicht, dass das Thema Inflation von den immer gleichen Leuten dafür benutzt wird, ihre feuchten neoliberalen Träume der Vergangenheit heute im Angesicht von drohenden sozialen Schieflagen Wirklichkeit werden zu lassen“, sagte Kühnert. Das sei respektlos.

          Kühnert nimmt damit Bezug auf Forderungen, die Ökonomen in der „Bild“-Zeitung formuliert hatten. Dort wurde mit folgendem Zusammenhang argumentiert: Der demografische Wandel führe dazu, dass es weniger Arbeitskräfte gebe. So verschärfe sich der Wettbewerb um Fachkräfte und damit stiegen die Gehälter, was wiederum die Inflation anheize. Die Schlussfolgerung: Ein höheres Renteneintrittsalter führe zu mehr Arbeitskräften – und trete damit der Inflation entgegen.

          DGB warnt vor höherer Arbeitslosigkeit

          Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte den Vorschlag scharf. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, ein höheres Rentenalter bedeute real mehr Arbeitslose. „Das ist nichts weiter als mutlose Leistungskürzung auf dem Rücken der Beschäftigten. Die Inflation bekämpft man damit aber nicht.“ Piel betonte, schon heute könnten Beschäftigte freiwillig über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten. „Das schaffen nur die wenigsten. Rund jeder Siebte scheidet früher aus dem Erwerbsleben aus – wegen Krankheit, fehlender altersgerechter Arbeitsplätze oder krank machender Arbeitsbedingungen.“

          Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, bezeichnete den Vorschlag gegenüber der „Bild“ als eine „Unverschämtheit“: Was für Professoren und Ökonomen einfach erscheine, sei für Menschen in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen nicht leistbar. „Statt sie die Krisen-Zeche zahlen zu lassen, sollten besser Vermögende höher besteuert werden.“ Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, sagte: „Bei einem aktuellen durchschnittlichen Renteneintrittsalter von circa 64 Jahren würde das nichts anderes als eine Rentenkürzung bedeuten.“ Das sei „blanker Hohn für all die Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben“.

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