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Reformpädagogisches Internat : Sozialministerium erwägt Schließung der Odenwaldschule

  • Aktualisiert am

Abermals in den Schlagzeilen: Das Land überprüft die Betriebserlaubnis der Odenwaldschule Bild: dpa

Das hessische Sozialministerium prüft die Betriebsgenehmigung des reformpädagogischen Internats. Der Landkreis Bergstraße stellt der Odenwaldschule ein Ultimatum, die Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen. Die Internatsleitung rechnet nicht mit einer Schließung.

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          Das hessische Sozialministerium will die Betriebsgenehmigung für das private reformpädagogische Internat „Odenwaldschule“ bei Heppenheim prüfen. Die Schule habe bisher nicht „vertrauenswürdig und transparent agiert“ – und das trotz schwerer Missbrauchsfälle in der Vergangenheit.

          Die jüngsten Vorwürfe gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer, der zugegeben hatte im Besitz kinderpornographischen Materials gewesen zu sein und die Meldungen über angebliche unsachgemäße Berührungen durch einen Kinderarzt bei Routineuntersuchungen will das Sozialministerium zum Anlass für eine Prüfung nehmen, ob „die gesetzlichen Bedingungen für den Bestand der Betriebserlaubnis erfüllt“ seien, hieß es in einer Mitteilung.

          Die Odenwaldschule selbst verspricht sich davon eine Klärung. Sie rechne damit, dass die Betriebserlaubnis bestätigt werde, hieß es am Dienstag in einer Erklärung. Leitung und Präventionsbeauftragte seien allen eingegangenen Schülermeldungen nachgegangen, hätten diese dokumentiert und sie im Zuge der Forderungen nach mehr Transparenz auch an die Behörden weitergegeben, auch wenn Prüfungen schon ergeben hätten, dass es sich nicht um Grenzverletzungen handele.

          Schule will Betreuungskonzept ändern

          Außerdem werde man die bisherige Betreuung im Internat ändern und alle Vorkommnisse auch in Zukunft umgehend melden. Möglicherweise werden die Schüler künftig nicht mehr mit Lehrern die Wohnung teilen. „Wir brauchen eine Trennung von „Lehrer“ und „Erzieher“ sowie ein Aufgeben des Familienbegriffs“, sagte die Internatsleiterin Juliana Volkmar am Dienstag. „Es kann nicht sein, dass dieselbe Person unterrichtet und auch die Gruppe betreut.“ Als Erzieher könnten etwa Sozialpädagogen arbeiten. Die Schule kommt damit dem Landkreis Bergstraße entgegen, der eine solche Veränderung gefordert hat.

          Die „Familien“ lebten zwar nahe beieinander, aber in getrennten, abschließbaren Räumen und sanitären Anlagen. Dies könne zu Missverständnissen führen. Laut Volkmar sind von den knapp 200 Schülern etwa 140 im Internat.

          Landkreis stellt Ultimatum

          Die Staatsanwaltschaft Darmstadt prüft derzeit, ob die Anhaltspunkte durch die Schülerhinweise im Falle des Kinderarztes reichen, um ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen. Der Landkreis Bergstraße stellte dem Internat binnen weniger Wochen zum zweiten Mal ein Ultimatum. Die Aufsichtsbehörde des Internats erwartet bis Donnerstagmittag Details zum Fall des Kinderarztes.

          Das Internat hatte die Vorwürfe am Wochenende als unzutreffend zurückgewiesen und begrüßte ausdrücklich die Prüfung durch die Staatsanwaltschaft. Den Verdacht gegen den Kinderarzt hatte der Landkreis geäußert, wobei die vermeintlich unangemessenen Untersuchungen schon zwei Jahre zurückliegen sollen. An der Odenwaldschule waren vor Jahrzehnten über hundert Schüler sexuell missbraucht worden. Die Übergriffe kamen erst Jahre später an die Öffentlichkeit, weil Schüler damals aus Furcht vor der Schließung der Schule schwiegen.

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