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Brennpunkte in Hochhäusern : Wo die Polizei der erklärte Gegner ist

Folgeschäden: Im Spessartviertel wird ein Container neu angestrichen, nachdem es dort zu einem Angriff auf die Polizei gekommen ist Bild: Frank Röth

Wer in den siebziger Jahren modern wohnen wollte, zog ins Hochhaus. Doch die Siedlungen sind inzwischen vielerorts zu sozialen Brennpunkten geworden. Ein Besuch in Dietzenbach.

          9 Min.

          Ismail Tipi will eine gute Geschichte über das Spessartviertel erzählen. „Es gibt ja so viele“, sagt er. Tipi, hessischer Landtagsabgeordneter, steht in weißem Hemd und dunklen Anzug zwischen den grauen Hochhäusern, am Revers der Jacke ein Anstecker in Form des hessischen Landeswappens. „Zum Beispiel die Grundschule“, sagt Tipi und lächelt stolz. Obwohl der Anteil der Schüler, der einen Migrationshintergrund hat, sehr hoch sei, wechselten viele Schüler nach der vierten Klasse aufs Gymnasium. Überhaupt gebe es in Dietzenbach, auch im Spessartviertel, viele Aufstiegsgeschichten. Wenn es wegen der Corona-Krise derzeit keine Kontaktbeschränkungen gäbe, dann würden jetzt schon etliche Veranstaltungen vor und zwischen den Hochhäusern geplant, ist sich Tipi sicher. Um dem „Bösen“, wie Tipi es nennt, etwas entgegen zu setzen.

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.
          Timo Steppat
          Redakteur in der Politik.

          In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai, gegen Mitternacht, riefen Anwohner im Spessartviertel Polizei und Feuerwehr. Ein Bagger stand gegenüber des Mespelbrunner Wegs, der in die Hochhaussiedlung führt, in Flammen. Dann bemerkten die Einsatzkräfte, dass es im Mespelbrunner Weg auch brennt, am Ende der Straße, wo der Weg enger wird und man ihn von einem Parkdeck gut einsehen kann. Hier hatten sich, so teilte die Polizei  später mit, rund 50 Jugendliche und junge Männer mit Steinen bewaffnet und die Einsatzkräfte unter Beschuss genommen. Die meisten sollen, so sagte es die Landesregierung später, minderjährig gewesen sein. Die Polizei sei von ihnen in einen Hinterhalt gelockt worden. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von einer „hinterhältigen und abscheulichen Gewalttat“. Für ihn ist der Angriff im Spessartviertel Ausdruck eines größeren Problems. „Dieser feige Angriff auf unsere Einsatzkräfte ist symptomatisch für die stetig ansteigende Gewalt gegenüber Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften.“ Ob das Motiv Wut und Hass auf die Staatsgewalt waren, wird weiter untersucht. Vielleicht war es aber auch eine Racheaktion, weil die Polizei kürzlich gegen den Drogenhandel im Viertel vorging und auch Keller räumte, in denen möglicherweise gestohlene Fahrräder gelagert waren.

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