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Lesbische Mütter : Mit der Scheidung die Kinder verloren

Die heterosexuelle Ordnung schützen: Bis in die neunziger Jahre hinein wurden Mütter von ihren Kindern getrennt, wenn sie sich wegen einer lesbischen Beziehung scheiden ließen. Bild: dpa

Bis in die neunziger Jahre wurde Frauen das Sorgerecht für ihre Kinder aberkannt, wenn bei einer Scheidung bekannt wurde, dass sie eine Beziehung mit einer Frau eingegangen waren. Das zeigt jetzt eine aktuelle Studie.

          3 Min.

          Frauen, die sich von ihrem Ehemann getrennt haben, um in einer lesbischen Beziehung zu leben, ist in Deutschland laut einer neuen Studie jahrzehntelang beinahe automatisch das Sorgerecht für ihre Kinder aberkannt worden. In der Studie, die von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und dem Institut für Zeitgeschichte München – Berlin getragen und von der rheinland-pfälzischen Landesregierung gefördert wurde, werden die rechtlichen Folgen einer Scheidung für Mütter in lesbischen Beziehungen in Westdeutschland von 1946 bis 2000 untersucht. Bei der Vorstellung entschuldigte sich die rheinland-pfälzische Familien- und Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) bei lesbischen Müttern und deren Kindern für das Unrecht, das ihnen zugefügt worden sei. Die Studienergebnisse seien „bedrückend und beschämend zugleich“, sagte Spiegel. Lesbische Mütter seien in der Rechtsprechung „systematisch diskriminiert“ worden, sie hätten lange „nur in Ausnahmefällen“ das Sorgerecht erhalten.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Wie viele Frauen und Kinder davon betroffen waren, ist unklar. Das Ausmaß lasse sich „nicht präzise“ feststellen, sagte die Verfasserin der Studie, die Historikerin Kirsten Plötz. Es gebe kaum Quellen, über das Thema sei aus Angst vor Diskriminierung meist geschwiegen worden. Auch heute noch sei es sehr schwierig, Zeuginnen zu finden. Doch müsse ein Entzug des Sorgerechts bei lesbischen Müttern „sehr verbreitet“ gewesen sein. Bei den bekanntgewordenen Fällen handele es sich nur um die „Spitze des Eisbergs“, heißt es in der Studie. Diese trägt den Titel „In ständiger Angst“. Plötz sprach dafür mit 23 Zeitzeuginnen, zwölf davon Mütter in lesbischen Beziehungen, und wertete Gerichtsentscheide und juristische Kommentare aus.

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