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Malu Dreyer auf Sommerreise : Kein schöner Bundesland

Nach dem Essen geht’s nach Kaiserslautern ans Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz, auf das „wir“, so Dreyer, „wahnsinnig stolz“ sind. Das lässt sich auch über den Pfälzer Wald sagen, den die fröhliche Reisegruppe danach in ihrem Bus durchquert. Dort hat man zwar kein Handynetz – trotz der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung. Der Wald ist aber laut Dreyer das „größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands“. Sie liebe ihn, weil er so licht sei und sie an ihre Kindheit erinnere.

Am Ende des Waldes wartet ein Ort, der, wenn er nur ansatzweise so ist, wie die Leute, die dort sein dürfen, behaupten, unglaublich sein muss: die Berufsbildende Schule Südliche Weinstraße in Annweiler. Pädagogisches Konzept: „Offenes Lernen in offenen Lernlandschaften.“ Der Schulleiter sagt zur Begrüßung, er sei „richtig happy“, er brenne für seine „ganz tolle Schule“.

An Dreyer gewandt sagt er, seine Schule, an der die Lehrer übrigens „Lernbegleiter“ heißen, habe sich einen „tollen Satz aus ihrer Regierungserklärung“ zu Herzen genommen: „Wenn es trotz aller Anstrengungen im ersten Anlauf nicht oder noch nicht geklappt hat, muss es eine zweite und auch dritte Chance geben.“ Und der Schulleiter fügt hinzu: „Sie, Frau Dreyer, würden wahrscheinlich sogar eine vierte Chance geben, das ist toll!“

Der Tross wendet sich in einem Raum mit Spiegeln und Puppenköpfen der Friseurausbildung zu. Dreyer sagt, das sei ihr „Lieblingshandwerk“. Schon beim Waschen der Haare merke man, was der Friseur könne. Es versteht sich von selbst, dass in Annweiler sehr viel gekonnt wird, Pokale zeugen davon.

Optimismus auch bei den Erziehern und Altenpflegern, wo einige im besten Alter zeigen, dass es nie zu spät ist, das eigene Leben zu ändern. Dreyer fragt in die versammelte Klasse, was die Politik an der Ausbildung noch verbessern könne. Die Anregungen, die dann kommen, nimmt sie „gerne mit“.

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Dreyer ist der Krisenmodus fremd

Im Tourbus kommt immer wieder das Thema Flüchtlinge zur Sprache. Dreyer ist weder zart besaitet noch naiv. Sie weiß um die Probleme, aber sie will sich von ihnen nicht in Besitz nehmen lassen. Der Krisenmodus, in dem manche Politiker am liebsten ihre gesamte Laufbahn zubringen würden, ist ihrer jedenfalls nicht.

Da kommt Sascha Hey gerade richtig. Der Mann, der kurzfristig ins Line-up der Sommertour aufgenommen wurde, ist der Juniorchef eines Autohauses, in dem ein Flüchtling aus der Zentralafrikanischen Republik eine Ausbildung angefangen hat. Dreyer sagt: „Die Firma Hey ist ein wunderbares kleines Familienunternehmen, offen und tolerant, wie es zu unserem Land passt.“

Zwei ehrenamtliche Helfer schildern im Hof des Autohauses, was schon gut ist und was noch gut werden muss. Dann folgt Sascha Hey. Während seine Frau leckeren Sekt ausschenkt, skizziert er in seinem unerschütterlichen pfälzischen Dialekt, welche Karriere seinem neuen Lehrling offenstehe, und wirbt dafür, auch Albanern einen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Begründung: Deutschland habe ja immer weniger Leute, die Steuern und später seine Rente bezahlten. Da rät ihm Dreyer, sich fortzupflanzen.

Aber nicht mit Hey. Der erwidert: „Ich habe mein Soll erfüllt“ und weist auf seine wohlgeratenen Kinder. Beschlossen wird die Sommerreise am Freitagvormittag mit einem Besuch in einer kleinen Schokokussmanufaktur in Herxheim. Ein wunderbarer Laden, in dem man von den „ganz lockeren“ (Dreyer) Küssen kosten könnte. Aber man kann kaum mehr – das Essen am Vorabend in einem von „echt tollen Leuten“ geführten Hotel war einfach zu gut.

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