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Sommerpressekonferenz : Auf ein Neues mit der Kanzlerin

Reden und regieren: Angela Merkel am Freitag Bild: dpa

Um sie herum ist die Welt in Unordnung, aber Angela Merkel ist geschäftsmäßig ruhig. Ihr gehe es gut – und selbst für die SPD hat sie ein mildes Lob.

          Neunzig Minuten lang gibt Angela Merkel am Freitag der Bundespressekonferenz Auskunft über ihre Politik und ihr Befinden. Die Botschaft und die Art ihrer Präsentation sind gleichermaßen bedeutsam. Obwohl schon bald die Hälfte der Legislaturperiode vorüber ist, zieht Merkel im Grunde eine erste Jahresbilanz – die große Koalition nahm nach langen Verspätungen erst im Frühjahr 2018 ihre Arbeit auf und war dann gleich wieder gelähmt durch den tiefen Streit zwischen CDU und CSU in der Asylpolitik. Merkel listet das seither Erreichte auf, zählt das noch zu Erledigende auf und stellt fest: „Es liegen noch viele Aufgaben vor uns, deshalb wird der Herbst auch sehr arbeitsreich sein.“ Dass die SPD nahe am Abgrund treibt, dass ihre eigene CDU gerade überraschende Personalwechsel vollführte, dass Merkels Zitteranfälle Fragen nach ihrer eigenen Gesundheit weckten, all das führt nicht zu einem höheren Grad von Aufgeregtheit in den Antworten der Kanzlerin.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Stattdessen nimmt sie die lange Arbeitsliste als Beleg dafür, „dass wir handlungsfähig sind, obwohl wir große Meinungsverschiedenheiten überbrücken müssen“. Aber, sagt sie und schaltet noch einen Gang tiefer in die Geschäftsmäßigkeit, „das liegt bei drei Parteien, die die Koalition tragen, in der Natur der Sache“.

          Auch auf die Fragen nach ihrem persönlichen Befinden sendet sie Antworten im ruhigen Geschäftston. Es sei durchaus legitim, sich nach ihrer Gesundheit zu erkundigen, denn es sei ja „wichtig, dass ich mich zu der Verantwortung bekenne, als Regierungschefin handlungsfähig zu sein“. Und ohne die Tonlage zu wechseln, sendet sie die persönliche Botschaft hinterher: „Als Mensch habe ich auch persönlich ein hohes Interesse an meiner Gesundheit“, denn für die Zeit nach 2021 hoffe sie ja, „dass es ein gesundes neues Leben gibt“. Da fällt zwar das Abschiedsdatum in dieser Auskunft, aber ohne jeden wehmütigen Anklang. Auch Fragen, die nach Abschiedsgefühlen angeln wollen, gehen ins Leere. Es gebe jetzt so viele Fernsehfilme über sie, ob sie das beeindrucke, will eine Reporterin wissen. Sie habe gar keine Zeit, sich so etwas anzusehen, entgegnet die Kanzlerin: „Ich werde ja daran gemessen, ob ich meine Aufgaben täglich erfülle, und da gibt’s genug zu tun.“ Und wie es ihr überhaupt gegenwärtig gehe? „Gut.“

          Allenfalls indirekt schleicht sich der Eindruck in diese Fragestunde, dass hier schon eine historische Persönlichkeit Auskunft gibt; jemand, der schon mehr erlebt hat, als er noch erleben kann. Das ist so, als nach den Sparringspartnern Merkels gefragt wird, die inzwischen aus ihren Ämtern ausgeschieden sind. Theresa May? Die „hat es ja nicht ganz einfach gehabt“, kommentiert die Kanzlerin und lobt, sie habe mit ihr „immer gut, verlässlich und kameradschaftlich zusammengearbeitet“. Alexis Tsipras? Mit dem habe sie „sehr sehr gut zusammengearbeitet“, sagt Merkel und berichtet von dem Mechanismus, mit dessen Hilfe man auch mit Politikerkollegen zurechtkommen könne, die in vielem ganz entgegengesetzter Auffassung seien: Es bewähre sich, von Anfang an „offen, ehrlich und fair“ miteinander umzugehen. So habe sie mit Tsipras eine Vertrauensbasis geschaffen, „die auch in schwierigsten Nachtsitzungen nie in Frage stand“.

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