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Künftiges Kabinett : Gedanken eines verhinderten Kanzlers

Wer wird nach der Bundestagswahl am Kabinettstisch sitzen? Wenn es nach Markus Söder geht, einer ganz bestimmt nicht: Heiko Maas. Bild: dpa

Söder will verhindern, dass Maas auch dem nächsten Bundeskabinett angehört. Das zeigt: Der CSU-Chef glaubt doch noch an den Sieg. Selbst mit Laschet.

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          Die Rücktrittsforderungen an den Außenminister und die Verteidigungsministerin nach dem afghanischen Debakel sind nicht unberechtigt. Doch dürfte keiner der Oppositionspolitiker, der sie erhoben hat, wirklich damit gerechnet haben, dass Heiko Maas und Annegret Kramp-Karrenbauer kurz vor Schluss noch ihre Ämter abgäben. In wenigen Wochen ist Bundestagswahl, da würden selbst Rücktrittswillige von ihren jeweiligen Parteien an einem solchen Schuldeingeständnis gehindert.

          Söder will dazwischengrätschen

          Auch der CSU-Vorsitzende Söder will jetzt keine Personaldebatte mehr führen. Wozu auch? Insbesondere Maas (aber wohl auch Kramp-Karrenbauer) ist aus Münchner Sicht schon Vergangenheit. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, den SPD-Mann noch einmal für einen Kabinettsposten zu nominieren, will die CSU dazwischengrätschen. Dieses Versprechen könnte Söder freilich nur dann halten, wenn die CSU wieder an Koalitionsverhandlungen beteiligt sein würde (für die bislang allerdings galt, dass in ihnen nur die Ministerien verteilt werden; wer Minister wird, entscheidet jede Partei selbst).

          Der bayerische Ministerpräsident scheint also noch nicht ganz den Glauben daran verloren zu haben, dass die Union mit Laschet die Wahl gewinnt. Offenbar hält Söder es auch für möglich, wieder mit der SPD regieren zu müssen, sonst brauchte er sich über die Verhinderung Maasens im nächsten Bundeskabinett keine Gedanken zu machen. Man merkt auch hier: Es sind die Gedanken eines verhinderten Kanzlers.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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