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Smartphones in Deutschland : So viele können die Corona-App überhaupt nutzen

Nichts ist älter als das Telefon von gestern. Bild: dpa

Die Bundesregierung möchte, dass möglichst viele sich die „Corona-Warn-App“ herunterladen. Doch längst nicht jedes Smartphone ist dazu in der Lage. Die Deutschen hängen oft an ihren alten Geräten.

          4 Min.

          Die neue „Corona-Warn-App“ des Robert-Koch-Instituts wirkt umso besser, je mehr Menschen sie auf ihr Mobiltelefon herunterladen. Doch früh wurde Kritik laut, dass viele Besitzer älterer Smartphones von der Nutzung der Anwendung ausgeschlossen würden, weil ihre Telefone dafür technisch nicht bereit seien. Immerhin haben sich in knapp zwei Tagen bereits acht Millionen Menschen die „Corona-Warn-App“ heruntergeladen. Bleibt die Frage: Wie viel geht da noch?

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Eine genaue Zahl, wie viele Menschen die Anwendung in Deutschland nutzen können, gibt es nicht. Doch es ist möglich, die Größenordnung zumindest einzugrenzen. Die Initiative „European Information Technology Observatory“ (EITO) wertet den europäischen Digitalmarkt regelmäßig aus. Ihr zufolge wurden 2017 und 2018 jeweils knapp 23 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft, für das vergangene Jahr rechnet das EITO ebenfalls mit 23 Millionen Geräten, für dieses Jahr wird dieselbe Größenordnung prognostiziert. Das sagt jedoch nicht direkt etwas darüber aus, wie viele Menschen in Deutschland über ein Smartphone verfügen - schließlich stellen vielfach Firmen ihren Mitarbeitern ein Gerät zur Verfügung, Arbeitnehmer haben nicht selten zwei Telefone. Um sich der Zahl der möglichen Warn-App-Nutzer anzunähern, braucht es also eine andere Messgröße. Und die gibt es. Einer Umfrage zufolge, an der unter anderem der Digitalverband Bitkom beteiligt war, waren im vergangenen Jahr 57,7 Millionen Menschen in Deutschland Smartphone-Nutzer. 

          Die „Corona-Warn-App“ läuft nur auf zwei Smartphone-Betriebssystemen, Android und iOS. Während mehrere Hersteller ihre Telefone mit dem Android-Betriebessystem von Google ausstatten, ist iOS den Geräten von Apple vorbehalten. Das Forschungsinstitut Kantar erhebt regelmäßig die Marktanteile der mobilen Betriebssysteme. Betrachtet man den Zeitraum der vergangenen fünf Jahre, dann hatten knapp 78 Prozent aller verkauften Smartphones Android installiert, etwas mehr als 19 Prozent waren von Apple und liefen unter iOS – den Rest teilten sich Windows und Blackberry, für die die Corona-App aber nicht verfügbar ist. Wenn diese Zahlen stimmen, dann müssten 55,8 Millionen Menschen grundsätzlich in der Lage sein, die App zu nutzen – 44,7 Millionen Android-Nutzer und 11,1 Millionen iPhone-Besitzer.

          Bei Apple ist es komplizierter

          Es gibt jedoch noch eine Einschränkung. Um die Warn-App unter Android betreiben zu können, benötigen Nutzer mindestens Version 6.0 des Betriebssystems, genannt Marshmallow. Diese Version wurde am 5. Oktober 2015 veröffentlicht. Derzeit ist Version 10 verfügbar. Der Analysedienst Statcounter hat ermittelt, dass in Deutschland etwas mehr als sechs Prozent aller Android-Telefone ein älteres Betriebssystem nutzen als Marshmallow, was etwa 2,7 Millionen Nutzer von der Corona-Warn-App ausschließen dürfte. Ob deren Geräte technisch in der Lage sind, auf eine neuere Android-Version aktualisiert zu werden, ist offen. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass knapp 94 Prozent aller Nutzer, also 42 Millionen Menschen, die App nutzen könnten.

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          Bei Apples iPhones ist die Lage etwas komplizierter. Für die Warn-App braucht es die neueste Version des Betriebssystems, das ist Version 13.5. Diese Ausgabe ist erst seit wenigen Wochen auf dem Markt, sie steht seit dem 20. Mai zum Download bereit. Den Daten von Statcounter zufolge haben derzeit knapp drei Prozent aller iPhone-Nutzer in Deutschland diese Version installiert, das wären nur knapp 320.000 Nutzer. Um die neueste Version des Betriebssystems überhaupt nutzen zu können, muss das jeweilige iPhone zumindest so modern sein, dass es mit der Grundversion iOS 13, genannt Yukon, klarkommt. Yukon wurde am 19. September 2019 veröffentlicht und nach Auskunft von Apple sind 14 Modelle des iPhone damit grundsätzlich kompatibel – genau genommen sogar 15, denn vom iPhone SE gibt es zwei Versionen, die sich dem Namen nach nicht unterscheiden. Das älteste aller grundsätzlich mit iOS 13 kompatiblen Geräte ist das Modell 6S, das in Deutschland am 25. September 2015 auf den Markt gekommen ist. Es gibt aber keine exakten Daten, wie viele Modelle welchen Typs derzeit in Deutschland genutzt werden.

          Um einzugrenzen, wie viele iPhone-Nutzer die Corona-App wohl nicht nutzen können, braucht es abermals den Umweg über die Verteilung der in Betrieb befindlichen Versionen des Betriebssystems. Nach Angaben von Apple nutzen in Deutschland Stand Ende Januar dieses Jahres immerhin 70 Prozent aller mobilen Geräte Yukon, 23 Prozent haben die Vorgängerversion Peace installiert und weitere sieben Prozent noch ältere Versionen. Demnach wären mindestens 7,8 Millionen iPhone-Nutzer in der Lage, ihr Gerät so zu aktualisieren, dass sie die Corona-App installieren könnten.

          Apple und Google sollen nacharbeiten

          Einiges spricht dafür, dass dies die untere Grenze der möglichen Corona-App-Nutzer bei den iPhone-Besitzern darstellt. Zum einen legt die Analyse von Statcounter nahe, dass inzwischen mehr Nutzer ihre Geräte aktualisiert haben. Die Branchenanalyse weist den Anteil der Yukon-Nutzer höher aus, bei nunmehr 78 Prozent. Damit wäre der Kreis derer, die lediglich auf die aktuellste Version aktualisieren müssten, größer. Er betrüge nicht mehr nur 7,8 Millionen, sondern bereits 8,7 Millionen Nutzer in Deutschland. Zum anderen legt eine andere Zahl von Apple, ebenfalls Stand Ende Januar, nahe, dass viele Nutzer älterer, aber nicht zu alter Geräte mit einer veralteten Version des Betriebssystems unterwegs sind, obwohl sie technisch auf die neueste Fassung aufrüsten könnten – dies aber aus Bequemlichkeit, Unkenntnis oder der Sorge vor schlechterer Leistung oder Datenverlust nicht tun. Apple gab zu Jahresbeginn nämlich auch an, welche Betriebssysteme die Mobilgeräte nutzen, die in den vergangenen vier Jahren eingeführt wurden – sie verfügen schließlich alle über die technischen Voraussetzungen, um selbst die aktuellste Version von iOS zu installieren. Allerdings betreiben Apple zufolge 23 Prozent dieser Nutzer ihr Gerät mit einer überholten Version, also Peace oder älter. 

          Wenn die unterschiedlichen Marktanalysen die Wirklichkeit einigermaßen akkurat abbilden, dann müssten in Deutschland zwischen 49,8 und 50,7 Millionen Menschen technisch in der Lage sein, die „Corona-Warn-App“ zu nutzen – wenn sie es denn wollen. Wie viele es in der Praxis braucht, damit die Anwendung wirksam neue Infektionen verhindern kann, ist umstritten – doch klar ist, dass mehr Nutzer dazu führen, dass Infektionsketten häufiger und wirksamer unterbrochen werden könnten. Die App des Robert-Koch-Instituts wurde am Dienstagmorgen zum Download bereitgestellt, bis Mittwochabend hatten sie bereits acht Millionen Menschen auf ihr Telefon geladen. Das wären immerhin etwa 14 Prozent all jener, deren Telefon über die nötigen technischen Voraussetzungen verfügen müsste.

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          Um viele Menschen in Deutschland, die noch über ein älteres Smartphone verfügen, nicht von der  Verwendung der App auszuschließen, will die Bundesregierung bei Apple und Google erreichen, dass die Mindestvoraussetzungen heruntergeschraubt werden. Dass ein vergleichsweise neues und damit auch nicht selten teures Smartphone Voraussetzung für die Nutzung der App sei, wurde nach dem Start der Anwendung vielfach kritisiert. 

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