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München : Diese Menschen helfen den Flüchtlingen

  • -Aktualisiert am

Helfer verteilen Wasser an Flüchtlinge. Bild: Reuters

Hunderte Freiwillige helfen am Münchner Hauptbahnhof mit, die ankommenden Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Sie sammeln Spenden, organisieren Übersetzer oder sortieren Hygiene-Artikel. Und so sehen sie aus.

          4 Min.

          Tarek Abdin-Bey, 71 Jahre alt

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Seit 50 Jahren wohnt Tarek Abdin-Bey schon in München, am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt hilft er Flüchtlingen das erste mal. Nicht, dass das was neues für Abdin-Bey wäre, der Vorsitzende des „Deutsch-Syrischen Vereins e.V. in Deutschland“ besucht sonst seine Landsmänner und -Frauen in den Flüchtlingsunterkünften direkt. Doch nun steht der gebürtige Syrer mit sechs laminierten Schildern in der Haupthalle des Bahnhofs und erklärt drei Männern, wie sie eine Fahrkarte kaufen können und wo sie etwas zu essen finden. Auf seinen Schildern steht in arabischer Sprache: „Herzlich Willkommen, unsere Brüder und Schwestern aus Syrien. Wir danken Gott, dass ihr Wohlauf angekommen seid.“

          Tarek Abdin-Bey heißt die Flüchtlinge auf arabisch willkommen. Bilderstrecke
          Tarek Abdin-Bey heißt die Flüchtlinge auf arabisch willkommen. :

          Diese Botschaft will Abdin-Bey den meist syrischen Flüchtlingen mitgeben, ihnen zeigen: Sie sind nicht alleine. „München ist wie ein Trichter, die Behörden kommen nicht mehr nach, dadurch ist derzeit alles etwas chaotisch“, sagt Abdin-Bey. In der Bayern-Kaserne habe er erst kürzlich Flüchtlinge besucht, die seit 10 Monaten darauf warten, dass sie erfahren, wie es mit ihnen weitergeht. Als der Krieg in Syrien begann, hat sich Abdin-Bey noch zurückgehalten und niemandem gesagt, dass er einem deutsch-syrischen Verein vorsteht, er wollte nicht, dass die Flüchtlinge denken, dass er von der Botschaft kommt und für das Regime arbeitet. Inzwischen sei das Vertrauen aber gewachsen.

          Chantal Haug, 24 Jahre alt

          Weil sie nur zehn Minuten vom Bahnhof entfernt wohnt, steht Chantal Haug auch noch Spätabends vor dem Eingang der Bahnhofshalle und sortiert Wasserflaschen, Kleidung, Essen und Hygieneartikel. „Wenn man die Bilder aus Ungarn sieht, ist das schon schlimm, aber wenn so etwas praktisch vor deiner Haustür passiert, dann musst du doch etwas tun“, sagt sie. Also hat sie sich ein paar Sachen gepackt und ist zum Auffanglager am Bahnhof gegangen. Wie so viele andere Privatleute, die nicht organisiert in irgendwelchen Vereinen, sondern einfach aus eigenem Antrieb Hilfsgüter gekauft und vorbeigebracht haben. Helfer bringen Freunde mit, die wiederum anderen Bescheid sagen –plötzlich waren es ganz viele und Haug mittendrin. Ein paar Mal hat die Münchnerin schon mit Freunden Flüchtlinge besucht, doch so eine Flüchtlingshilfe bis in die Nacht hinein ist auch für sie das erste Mal.

          Henning Schlottmann, 45 Jahre alt

          Bei Henning Schlottmann hat die Sache mit den Flüchtlingen im Hemd und feiner Hose angefangen – und damit, dass er „Zeug sortiert“ hat, wie er sagt. Am Morgen hat er im Deutschlandfunk gehört, dass viele Flüchtlinge auf dem Weg nach München seien und Hilfe gebraucht würde. Deshalb hat er sich nach der Arbeit freiwillig gemeldet, hat Spenden entgegengenommen, die sortiert und in Tüten verpackt. „Ich bin völlig begeistert von den Menschen“, sagt Schlottmann spät am Abend, als er noch einmal zurückgekehrt ist zu den Helfern, um auch selbst wieder mit anzupacken. So verteilt er Tee an Helfer, Polizisten und Flüchtlinge, schleppt Bananenkisten und gibt Plastiktüten mit Duschgel, Zahnbürsten, Zahnpasta und feuchten Tüchern aus.

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