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München : Diese Menschen helfen den Flüchtlingen

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Ehrenamt ist ihm nicht fremd, aber die Arbeit mit Flüchtlingen ist für ihn eine Premiere. Und obwohl eigentlich alles ziemlich unorganisiert ist, ohne feste Hierarchien, funktioniert das alles ziemlich gut: Junge Leute, die gerade den besten Überblick haben, was da ist und was fehlt, laufen in Warnwesten durch die Menge, sie kann Schlottmann ansprechen, wenn er nicht weiter weiß. Und so könne jeder helfen und ein Stück zur Willkommenskultur beitragen. Schlottmann glaubt daran, dass die Spendenbereitschaft und Hilfe anhalten wird. „Wir kriegen das hin, München kann so was.“

Tobi, 25 Jahre alt

Tobi arbeitet bei der Stadt München und will seinen gesamten Namen nicht verraten. Er ist im Münchener Umland aufgewachsen. „Es ist überwältigend, wie viele Leute heute da waren“, sagt der junge Mann mit bayrischem Akzent. „Das sind so Tage, an denen man richtig froh ist über die Leute in der Stadt.“ Er selbst ist auch einer dieser Leute, die in den Nachrichten von den ankommenden Flüchtlingszügen gehört haben und dann erst einmal vor einem geschlossenen Gitter standen. Zu viele Helfer waren dort gleichzeitig da, weshalb auch Tobi zur Nachtschicht gehört. Mit seiner Mütze steht er bei den Kosmetika für Männer, verteilt Deodorants, Rasierer und Shampoos und trägt immer wieder Lebensmittel in Kisten ins Lager. Solidarisch sei er ja schon immer, aber nun packt er das erste Mal bei der Flüchtlingshilfe richtig mit an.

Vaniessa Rashid, 24 Jahre alt

Vaniessa Rashid gehört zu der kleinen Gruppe aus fünf bis zehn Leuten, die sich als erstes am Münchner Hauptbahnhof versammelt hat, um Flüchtlingen zu helfen. Weil die Polizei ihnen nichts verraten wollte, hat sich die kleine Gruppe spontan zusammengefunden, um erste Hilfsgüter heranzuschaffen. Über Facebook und die Seite „Hilfe für Flüchtlinge in München“ und die Aktion „München ist bunt“ hat sich das schnell verbreitet. Und ehe sich Rashid versah, war sie zwei Tage lang kaum zuhause. Mal brauchte es eine Übersetzerin fürs Kurdische, mal musste etwas anderes organisiert werden. Was am Anfang leichter ging, als erhofft, nämlich das Spendensammeln von Geschäften im Bahnhof, ist durch die immense Spendenbereitschaft der Münchner, der Gastronomen, Händler und Großmärkte nun fast zum Problem geworden. Nahrungsmittel werden nun wirklich nicht mehr gebraucht, das provisorische Lager, dass die Flüchtlingshelfer in einem anliegenden Museum beziehen konnten, ist überfüllt. Auch ein Lager, das der Lebensmittelhändler Rewe zur Verfügung gestellt hat, ist schon voll.

Mit den Großmärkten und der Tafel verhandelt Rashid daher gerade, ob sie dort noch Lebensmittel loswerden, bevor das Obst und die Backwaren schlecht werden. Die Lokalpolitikerin zeigt sich aber überwältigt von der Hilfe - von allen Seiten. Ein saudi-arabischer Scheich habe ihr im Bahnhof einen 100-Euro-Schein in die Hand gedrückt, Passanten hätten gespendet und unzählige Menschen Hilfsgüter vorbeigebracht. Am Bahnhof ist mehr als genug vorhanden, die Polizei hat sogar untersagt, dass weitere Spenden dort abgegeben werden. „Jetzt müssen wir es schaffen, dass die Hilfe nicht dort aufhört“, sagt Rashid. Nun würden Helfer in den Unterkünften gebraucht, Freiwillige, die Nachhilfe geben oder Flüchtlinge zu Ämtern begleiten. Die Flüchtlingshilfe-Bewegung in München hat einen bemerkenswerten Schub bekommen, doch ausgestanden ist die Krise noch lange nicht.

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