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Parteitag in Essen : Das sagt die Basis zu Merkels Auftritt

Blick durch die Essener Grugahalle während der Rede von Angela Merkel Bild: Maximilian von Lachner

„Ehrlich“, „toller Wahlkampfauftakt“, „solide“: Die meisten Delegierten sind zufrieden mit dem Auftritt der Parteivorsitzenden. Das Ergebnis der Wiederwahl beurteilen sie unterschiedlich.

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          Mit einer engagierten Rede hat Angela Merkel auf dem CDU-Bundesparteitag in Essen um Zustimmung für ihre Politik geworben. Doch alle Delegierten konnte sie nicht überzeugen: Nur 89,5 Prozent haben sie am Dienstagnachmittag als Parteivorsitzende bestätigt - ihr zweitschlechtestes Ergebnis an der Spitze der CDU. Was sagen die Delegierten sonst über Merkels Auftritt? Wir haben uns auf dem Parteitag umgehört.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Elke Holzapfel, Landtagsabgeordnete aus dem Thüringer Landtag

          „Die Rede war spitze, weil sie ehrlich war. Angela Merkel hat ihre inneren Nöte offengelegt, ihre Sorgen und ihre Zweifel in der Flüchtlingskrise. Das kommt bei den Menschen sehr gut an. Ich finde auch nicht, dass das Ergebnis von 89,5 Prozent bei ihrer Wiederwahl als Parteivorsitzende ein schlechtes ist. Ich erwarte von einer Volkspartei, in die ich 1990 als DDR-Frau aus gutem Grund eingetreten bin, dass jeder hier seine freie Meinung äußern darf und nicht in allem mit den anderen übereinstimmen muss. 99 Delegierte haben gegen Angela Merkel gestimmt - aber das kann eine Partei wie die CDU gut aushalten."

          Elke Holzapfel auf dem CDU Bundesparteitag 2016 in Essen

          Christina Tasch, Delegierte aus dem Eichsfeld in Thüringen

          „Ich finde es unmöglich, dass heutzutage immer so darauf geachtet wird, wie viel Prozent der Stimmen ein Politiker bei seiner Wiederwahl bekommt. 89,5 Prozent sind doch ein großartiges Ergebnis, das zeigt, wie sehr die Partei hinter Angela Merkel steht. Was wollen die Journalisten denn noch, damit sie zufrieden sind? 100 Prozent? Das wäre doch ein Ergebnis wie in der DDR und großer Käse."

          Christina Tasch hält 89,5 Prozent für ein großartiges Ergebnis.

          Markus Patzke, Delegierter des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen aus Lippstadt

          „Die Rede von Angela Merkel war am Anfang verhalten, dann aber sehr kämpferisch, sie hat zum Nachdenken angeregt und war ein hervorragender Wahlkampfauftakt. Mit ihren Sätzen zum Vollverschleierungsverbot und der Integration hat Merkel die Seele der Partei gestreichelt, das war das, was viele hier hören wollten. Dass sie ,nur' 89,5 Prozent der Stimmen bekommen hat, finde ich nicht schlimm. Das ist kein schlechtes, sondern ein sehr ehrliches Ergebnis."

          Markus Patzke auf dem CDU Bundesparteitag 2016 in Essen

          Stefan Kaufmann, Bundestagsabgeordneter aus Stuttgart

          „Angela Merkel hat eine sehr solide, fachlich fundierte Rede gehalten und auch geschickt den Bogen zu ihren Anfängen auf den früheren Parteitagen hier in Essen geschlagen. Sie hat die wichtigen Themen angesprochen, vor allem die Flüchtlingskrise, und die CDU so wieder hinter sich versammelt. Natürlich tut sich ein Teil der Partei noch immer schwer mit ihrem Kurs in der Flüchtlingskrise. Aber die fast 97 Prozent Zustimmung, die Angela Merkel vor zwei Jahren in Köln bekommen hat, waren auch nicht authentisch. Dieses Ergebnis hier in Essen bildet hingegen den ehrlichen Teil derer ab, die Angela Merkel noch überzeugen muss."

          Stefan Kaufmann auf dem CDU Bundesparteitag 2016 in Essen

          Jörg Förster vom Landesverband Sachsen aus Bautzen

          „Es war eine gute Grundsatzrede, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass die Punkte von Thomas Strobl zur Flüchtlingspolitik, die jetzt im Leitantrag stehen, schon beim letzten Parteitag in Karlsruhe akzeptiert worden wären. Wir in Sachsen haben das ja schon lange gefordert. Dass es mehr als ein Jahr gedauert hat, bis diese Punkte in der Partei angekommen sind, hat uns viel Glaubwürdigkeit gekostet, die wir jetzt mühsam zurückgewinnen müssen. Das Ergebnis bei Merkels Wiederwahl als Parteivorsitzende finde ich deshalb sehr ehrlich. Es gibt weiter zehn Prozent an Kritikern, die wir überzeugen müssen. In einem sind sich hier in Essen ABER ALLE einig: Niemand will noch einmal so unkontrollierte Zustände wie im Herbst 2015."

          Jörg Forster möchte die Zustände des Herbstes 2015 kein zweites Mal erleben.

          Karin Bertholdes-Sandrock, Landtagsabgeordnete im niedersächsischen Landtag in Hannover

          „Angela Merkel hat in ihrer Rede die Richtung vorgegeben, die die Partei jetzt weiterbringen wird. Vor allem hat mir gut gefallen, dass sie die kontroverse Diskussion über die Flüchtlingspolitik für sich verarbeitet und ihr Denken aufgenommen hat. Merkels Ergebnis bei ihrer Wiederwahl habe ich nicht als schlecht empfunden. Dass zehn Prozent der Delegierten sie nicht gewählt haben, heißt doch nicht, dass sie Angela Merkel ablehnen. Sondern dass sie noch Fragen haben, auf die die CDU und ihre Vorsitzende noch Antworten finden müssen."

          Karin Bertholdes-Sandrock sieht die CDU wieder auf einem guten Weg.

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