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Skrupellose Berliner Vermieter : Im Schöneberger „Horrorhaus“

  • -Aktualisiert am

Anderes Haus, anderes Leben: Marx mit einer Romafamilie im Vorzeigeprojekt in der Neuköllner Harzer Straße. Bild: Ullstein

In Berlin leben in einem Haus Hunderte Roma unter unmenschlichen Bedingungen. Das bringt dem Vermieter viel Geld - und hilft, andere Mieter loszuwerden. Nun soll es die Politik richten.

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          Sybill Klotz lacht, wenn sie von den Erwartungen an sie als Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung berichtet. In ihrem Bezirk, Tempelhof-Schöneberg, steht das berüchtigte „Horrorhaus“ von Berlin. Grunewaldstraße 87, ein schönes Gründerzeithaus, in dem jahrzehntelang nichts getan wurde und die Toiletten noch auf halber Treppe sind. Und als die Berichte über unsägliche Überbelegung, Vandalismus und Gewalt in dem Haus immer häufiger und drastischer wurden, richteten sich, wie in Berlin üblich, alle Augen auf die Politik: Sollte das Bezirksamt da nicht intervenieren? Müsste nicht der Senat einschreiten?

          Der Senat schreitet nicht ein. Klotz schlug vor, die Grunewaldstraße 87 zum „gefährlichen Ort“, also zu einem Kriminalitätsschwerpunkt, zu erklären. Die Polizei könnte an so einem Ort intensiver arbeiten. Das andere Instrument, die Ausführungsvorschriften für das Wohnungsaufsichtsgesetz, ist offenbar nicht sonderlich scharf: Sie traten am 31. Januar 2011 außer Kraft; es wird zwar weiterhin nach ihnen verfahren, aber gegen Eigentümer, die mit ihrem Eigentum so umgehen wie Klaus Breckner mit der Grunewaldstraße 87, kommt man damit nicht weit. Und so wird viel geschrieben: vom Bezirksamt an den Eigentümer. Der reagiere jedes Mal auf Post, sagt Klotz. Von den Mietern an den Eigentümer. Einige Mieter haben sich einen Anwalt genommen und versuchen, ihre Position zivilrechtlich zu verteidigen.

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          Das Haus war schon fast leer, als im Herbst vergangenen Jahres plötzlich viele Menschen dort untergebracht wurden, Familien fast ohne Besitz, schildern die wenigen Altmieter. Im Frühjahr waren es 200 Menschen, zumeist rumänische Roma, die zu grotesk überteuerten Mieten mit zum Teil sehr kurzfristigen Verträgen in den verkommenen Wohnungen hausen. Die Männer arbeiten irgendwo - vor dem Arbeitsgericht etwa kämpfen die Erbauer der „Mall of Berlin“ immer noch auf ihren Lohn, der ihnen vorenthalten wurde -, die Frauen und Kinder gehen Pfandflaschen sammeln und betteln. Besser als auf der Straße sei es in dem „Horrorhaus“, sagen sie in die Fernsehkameras, und besser als in Rumänien.

          Viel Geld mit wenig Einsatz

          Auch die Harzer Straße in Neukölln war vor einigen Jahren so ein „Horrorhaus“, mit Müllbergen auf dem Hof, Ratten, Ärger - und großer Publizität zu Lasten der Roma-Familien, die dort hausten. Auch dort hatte ein „Slumlord“, wie solche Eigentümer in den Vereinigten Staaten genannt werden, das Haus nach allen Regeln der Kunst verkommen lassen. Am Ende verkaufte er an die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft, die daraus eine vielbeachtete Wohnanlage machte, in der Roma-Familien so respektvoll behandelt werden wie jeder andere Mieter auch.

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