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Skandalfotos : „Mit schlechtem Gewissen“

  • Aktualisiert am

Soldaten der Bundeswehr vor ihrem Einsatz im Ausland Bild: AP

Erstmals hat ein anonymer Beteiligter darüber berichtet, wie es zur Totenschändung in Afghanistan kam. Inzwischen hat die Bundeswehr zwei Soldaten vom Dienst suspendiert. Minister Jung kündigt „harte Konsequenzen“ an. Indes werden immer mehr anstößige Bilder veröffentlicht.

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          Während immer mehr anstößige Bilder veröffentlicht werden, die Bundeswehrsoldaten beim Umgang mit skeletierten menschlichen Gebeinen zeigen, hat Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Freitag zwei Männer vom Dienst suspendiert und ihre Entlassung angekündigt.

          Jung sagte, die beiden Soldaten seien im Jahr 2003 an Totenschändungen beteiligt gewesen. „Sie werden der Bundeswehr nicht mehr angehören.“ In diesem Vorfall seien bislang insgesamt sechs Täter ermittelt worden, vier davon seien aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. Der Verteidigungsminister kündigte „harte Konsequenzen“ an und sagte: „Wer sich so verhält, der hat in der Bundeswehr keinen Platz“. Der Minister kündigte an, er werde schnellstmöglich dafür Sorge tragen, daß alle als Täter identifizierten Soldaten aus der Bundeswehr entlassen werden.

          „Dutzende neuer Bilder“

          In dem Fall aus dem Jahr 2004, der am Donnerstag bekannt wurde, seien bislang drei Tatverdächtige ermittelt worden. Die „Bild“-Zeitung gab an, ihr lägen „Dutzende neuer Bilder“ vor, die deutsche Isaf-Soldaten beim makabren Umgang mit Leichenteilen zeigten. Darauf sei unter anderem zu sehen, wie ein Soldat einem Skelett in der Art einer Hinrichtungsszene eine Pistole an den Schädel halte.

          Jung kündigt „harte Konsequenzen” an

          Auf anderen Fotos werde einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt oder würden aus Knochen Buchstabenkürzel gebildet.

          „Hart durchgreifen“

          Nach Angaben von Jung wird geprüft, ob es weitere Mitwisser dieser Vorfälle gibt. Dabei gehe es auch um die Frage, inwieweit Dienstvorgesetzte ihre Verantwortung wahrgenommen hätten. In solchen Fällen werde die Bundeswehr „hart durchgreifen“.

          Jung beauftragte den für Erziehung und Ausbildung bei der Bundeswehr zuständigen Offizier, sofort nach Kabul zu fliegen, um sich über Motivation und Ausbildungsstand der knapp dreitausend Bundeswehrsoldaten zu informieren. Zudem sei Generalinspekteur Schneiderhan angewiesen, sowohl die Ausbildung der Soldaten als auch die Dienstaufsicht in der Truppe zu überprüfen und gegebenenfalls Änderungsvorschläge zu machen. Die Ausbildung müsse womöglich stärker auf die psychologische Belastung der Soldaten ausgerichtet werden.

          Staatsanwalt wartet auf Unterlagen

          Die offiziellen Ermittlungen zu den mutmaßlichen Totenschändungen durch Bundeswehrangehörige in Afghanistan sind derzeit noch blockiert. Die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft München II wartet noch immer auf die Überstellung der notwendigen Unterlagen durch die bisherigen Ermittler in Potsdam. Der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl sagte am Freitag morgen München, noch wisse er nicht einmal genau, gegen wie viele Verdächtige er eigentlich zu ermitteln habe.

          Sicher sei nur, daß mindestens einer der Soldaten seinen Wohnsitz im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft München II habe. Dazu gehört auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen, in dem die in Verdacht geratene Gebirgsjäger-Kaserne Mittenwald liegt.

          „Totenschädel stammen nicht von Friedhof“

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