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Skandal in Limburg : Die Akte Tebartz-van Elst

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Planungsentscheidungen, Kostenaufstellungen und Umplanungen des Limburger Bischofssitzes Bild: F.A.Z.

So einen Skandal um einen Kirchfürsten hat die Bundesrepublik noch nicht erlebt. Die Akte, die FAZ.NET in erheblichen Teilen dokumentiert, enthüllt und belegt nicht nur, wie der Bischof von Limburg baut - sondern auch, wie er sein Amt versteht.

          In dieser Woche hat der Vermögensverwaltungsrat den Bischof von Limburg hochgehen lassen. „Vermögensverwaltungsrat“: das klingt geschwollen. Es sind drei Männer. Zwei davon, Riebel und Leuschner, haben ihr Berufsleben längst hinter sich. Sie sind sozusagen Kernholz-Katholiken, sicher keine Progressiven oder gar Freaks. Der Versuch der Bischofstreuen und der Verbündeten, die Tebartz-van Elst in der Bischofskonferenz noch hat, den Kummer in Limburg über die miserable Amtsführung des Diözesanbischofs als Kirchenkampf gegen Progressive umzudeuten und zu führen, scheitert an diesen Männern, die einfach nur katholisch sind.

          Jochen Riebel hat den Bischof in dieser Woche entweder einen Betrüger oder einen Kranken genannt. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller hat ihm beigepflichtet. Anlass war die Vorlage einer Akte durch den Dombaumeister. Wochenlang hatten die Mitglieder des Vermögensverwaltungsrats darum gebeten und schließlich auch Druck gemacht. Am 7. Oktober diskutierten sie darüber auf ihrer nun wohl letzten gemeinsamen Sitzung. Die Akte, die FAZ.NET in erheblichen Teilen dokumentiert, enthüllt und belegt nicht nur, wie der Bischof von Limburg baut, sondern auch, wie er sein Amt versteht.

          Sie zeigt auch, dass die Kostenexplosion des Bauprojekts nicht etwa dem bei öffentlichen Bauten üblichen Vorgang gleicht. Vielmehr wird der Einfluss des Bischofs überdeutlich: aus dem noch unter seinem Vorgänger Franz Kamphaus geplanten, theologisch und finanziell zurückhaltenden Bischofssitz wurde ein monströser Bunker mit zur Schau gestellter falscher Bescheidenheit - und er kostete den Bischofsstuhl fast ein Drittel seines Vermögens. Zu den Dokumenten:

          Planungsentscheidungen

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          An den Planungsentscheidungen erkennt man deutlich den Einfluss des Bischofs. Je länger er im Amt ist, je sicherer im Sattel sitzt, desto massiver entfaltet sich seine Persönlichkeit in dem Projekt: in einer Kostenexplosion. Was kostet die Welt?

          Ausschreibung in der Frühphase

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          Bescheidene Anfänge: Die Ausschreibung in der Frühphase hat noch Züge der Bescheidenheit. Es soll nach wie vor „in mittlerer bis leicht gehobener Qualität“ gebaut werden. Mit dem späteren Ergebnis hat das nichts mehr zu tun.

          Umplanungen

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          Die „Umplanungen“ sind durchweg Abrissarbeiten und Neubauten in bereits vollendeten Bauabschnitten. Weil dem  Bischof mal dies, mal das nicht gefiel. Die Kostensteigerungen dadurch sind exorbitant. Dahinter steht ein ungebrochener Machtanspruch, eine anachronistische, höfische  Herrschaftsidee.

          Kostenaufstellung

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          Eine verfeinerte Aufstellung der Kosten. Es lohnt sich, die Details zu studieren. Was kostet ein Brunnen, der auf einer Freifläche steht, dessen Wasser einfach in den Boden zu rinnen scheint? Was gibt ein Bischof für Licht aus, für Schall? Für Detektive, Security (Mann mit Hund), Innentüren?

          Grundrisspläne

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          Zu guter Letzt, und für den Überblick. Die Grundrisspläne der Diözesanen Anlage.

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