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Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone Bild: Finn Winkler

Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.

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          Die Fieberkurven der Corona-Pandemie weisen wieder nach oben – trotz des Sommerwetters, trotz der Impfungen. Immer mehr Menschen infizieren sich wieder mit dem Coronavirus, das Robert-Koch-Institut (RKI) gab die bundesweite Inzidenz am Montagmorgen mit 14,3 an. Die Gesundheitsämter meldeten der Berliner Behörde binnen eines Tages 958 neue Ansteckungen. Binnen einer Woche hat sich diese Zahl um 75 Prozent erhöht, wie Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin betonte. Bund und Länder denken ihr zufolge bereits über neue Einschränkungen nach.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Anfang Juli sah die Welt noch anders aus, die Inzidenz hatte mit einem Wert von 4,9 den niedrigsten Stand in diesem Jahr erreicht. Doch wichtiger als die Inzidenz ist die Situation in den Krankenhäusern. Dass die Impfungen schwere Krankheitsverläufe in vielen Fällen verhindern, ist zwar bekannt. Doch weil der Impfschutz nicht vollkommen ist, dürfte mit der Zahl der Infektionen auch der Anteil Schwerkranker steigen – wenn auch nicht mehr so stark wie vor dem Beginn der Impfkampagne.

          In der Tat deutet sich in den Krankenhäusern in diesen Tagen eine Trendwende an: Seit Kurzem melden die Kliniken wieder mehr Patienten, die wegen einer COVID-19-Erkrankung auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zählte am Montag 365 Fälle bundesweit. Verglichen mit dem bisherigen Höchststand von mehr als 5700 Patienten um den Jahreswechsel herum ist das zwar wenig. Doch die Talsohle scheint mit 350 Patienten am vergangenen Donnerstag erreicht, seitdem weist die Kurve wieder nach oben.

          Was folgt daraus? Die Bundesregierung denkt inzwischen laut über neue Einschränkungen nach. Regierungssprecherin Ulrike Demmer verwies am Montag in Berlin darauf, dass die Infektionszahlen zuletzt stark gestiegen sind. „Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, müssen wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen“, sagte sie. Zusammen mit den Ländern will die Bundesregierung in den kommenden Tagen darüber beraten, welche Konsequenzen aus der Entwicklung zu ziehen sind. In einer Runde mit den Ministerpräsidenten soll darüber gesprochen werden. 

          Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnte am Sonntag davor, dass mehr Infektionen trotz Impfungen auch mehr Krankenhauseinweisungen bedeuten würden. „Daher wären 100.000 Fälle am Tag, wie jetzt zum Teil prognostiziert, eine Katastrophe“, schrieb Lauterbach auf Twitter. „Wir werden Einschränkungen beschließen müssen, wahrscheinlich kurz vor der Bundestagswahl.“

          Wie es sich entwickeln könnte, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Dort steigen die Infektionszahlen schon seit einer Weile wieder an und immer mehr Menschen müssen wegen einer COVID-19-Erkrankung ins Krankenhaus gebracht werden. Nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes NHS stieg die Zahl der Einweisungen ins Krankenhaus zuletzt binnen einer Woche um mehr als ein Viertel. Seit dem vergangenen Donnerstag müssen wieder mehr als 5000 Patienten landesweit im Krankenhaus behandelt werden – so viele wie zuletzt Ende März. Auch die Zahl der Infizierten, die bis zu 28 Tage nach der Meldung der Ansteckung verstorben sind, steigt im Vereinigten Königreich wieder – binnen einer Woche um 59 Prozent.

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