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Jasper von Altenbockum (kum.)

Sinkende Zahlen : Deutschland, ein Coronamärchen

Mit Disziplin durch die Pandemie: Fußgänger und Radfahrer vor einem Testzentrum in Leipzig Bild: ZB

Deutschland erreicht wieder das Niveau aus der Zeit vom 3. März. Der damals beschlossene Stufenplan ist aber kaum noch erkennbar. Die Entspannung beherrscht nicht nur die Köpfe der Politik.

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          Pfingsten wird in Deutschland sehr viel entspannter sein als Ostern. Der Verlauf der Pandemie ist so, wie es sich Politik und Wissenschaft von der „Notbremse“ versprochen haben. Zuletzt ging es mit den Zahlen stetig nach unten, nachdem es schon vor Wochen anders kam als befürchtet: Von einer Katastrophe exponentiellen Wachstums, in die sich die dritte Welle verwandeln würde, war nicht viel zu spüren.

          So geht wohl auch nicht alles an der Entspannung, die jetzt zu beobachten ist, auf das Konto der „Bundesnotbremse“. Deutschland erreicht wieder das Niveau aus der Zeit vom 3. März, als ein Plan für die Zukunft entworfen wurde. Dieser Stufenplan, der später im Ehekrach zwischen Bund und Ländern unterging, ist aber nur noch in Umrissen erkennbar.

          Es ist vor allem der disziplinierte Teil der Bevölkerung, der erst zur Stagnation und jetzt zur schnellen Senkung der Fieberkurve beigetragen hat. Er dürfte sich mit dem Teil der Bevölkerung decken, der wenig Verständnis für die „Querdenker“ aufbringt, die inmitten einer Pandemie im Wochentakt deutsche Straßen bevölkern.

          Es bleiben etliche Unwägbarkeiten

          Im Unterschied zum vergangenen Jahr darf die Hoffnung jetzt größer sein, dass die Entspannung an der Corona-Front nachhaltiger sein könnte als damals nach der ersten Welle. Die Impfungen schreiten voran, und es werden nicht die letzten Tagesrekorde gewesen sein, die jetzt verkündet werden.

          Zu bedauern ist, dass Deutschland in dieser Krise nicht mehr zum Organisationsweltmeister werden wird. Warum Schüler demnächst einzeln Termine vereinbaren und in die Impfzentren pilgern müssen, anstatt dass klassenweise in Schulen geimpft wird – Deutschland, ein Coronamärchen.

          Die Perspektiven für den Sommer schienen sich auch dadurch aufzuhellen, dass sich die EU doch noch auf einen digitalen Corona-Pass einigen könnte. Das ist zwar tatsächlich geschehen, aber es bleiben doch etliche Unwägbarkeiten. Für viele Urlauber kommt die Einigung zu spät, und was sie an den Grenzen und in ihren Urlaubsorten erwartet, muss nicht immer im Sinne des wieder instandgesetzten Schengen-Abkommens sein.

          Für viele Deutsche wird es, was den Impfnachweis angeht, ohnehin auf den gelben Impfpass hinauslaufen. Denn mehr noch als in der Welt der Organisation entfährt uns in der digitalen Welt der Seufzer mit dem Coronamärchen.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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