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Missbrauchsgutachten : Keine neuen Vorwürfe gegen früheren Hildesheimer Bischof Janssen

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer am Dienstag bei der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens in Hildesheim Bild: dpa

Ist der frühere Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen sexuell gewalttätig gegenüber Kindern geworden? Ein Gutachten hat den Vorwurf untersucht. Erstmals wurde Missbrauch in katholischen Heimen in den Blick genommen.

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          Im Bistum Hildesheim gibt es keine weiteren Hinweise darauf, dass der vormalige Bischof Heinrich Maria Janssen gegenüber Kindern oder Jugendlichen sexuell gewalttätig geworden ist. Wie die vormalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennarz (Grüne) und der vormalige Leitende Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm (Stuttgart/Ludwigsburg) anlässlich der Vorstellung eines Missbrauchsgutachtens am Dienstag in Hildesheim darlegten, könne nicht zweifelsfrei festgestellt werden, ob entsprechende Vorwürfe gegen den 1988 verstorbenen Bischof zuträfen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          2015 und 2018 hatten zwei männliche Personen Bischof Janssen unabhängig voneinander schwerer Übergriffe bezichtigt. Zudem wurde suggeriert, dass es um den Hildesheimer Domhof herum Täternetzwerke gegeben habe. Keiner dieser Vorwürfe ließ sich im Zuge der im April 2019 begonnenen Nachforschungen erhärten, weder durch Aufrufe, eventuelles Wissen zu teilen, noch durch die Befragung potentieller Zeugen noch durch eingehendes Studium der Personal- oder Heimakten, soweit überhaupt vorhanden.

          „Massives Unrecht“ in Kinderheimen

          Im Übrigen decken sich die Erkenntnisse der Gutachter über den Umgang mit Beschuldigten und Betroffenen von sexueller Gewalt mit dem Bild, das seit 2018 in allen einschlägigen Studien zum Vorschein kam. Die Fürsorge der Bistumsleitung galt stets dem Täter, den es durch Vertuschung und Versetzung vor Strafverfolgung zu schützen galt. Wurden Geistliche doch verurteilt, konnten sie in der Regel skrupellos an neuen Dienstorten weiterarbeiten. Betroffene wurden hingegen ignoriert oder mundtot gemacht.

          Erstmals ausführlich in den Fokus einer bistumsweiten Untersuchung gerieten einige katholische Kinderheime. An diesen Tatorten konstatierten die Gutachter „massives Unrecht“ in Form von physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt. Katholische Einrichtungen haben sich darin bis in die jüngere Vergangenheit kaum von Heimen in anderen Trägerschaften unterschieden.

          Ein Gutachten über den Umgang mit sexueller Gewalt im Bistum Hildesheim unter Janssens Nachfolgern Josef Homeyer (1983–2004) und Norbert Trelle (2005-2017) liegt auch drei Jahre nach der Veröffentlichung der MHG-Studie über sexuelle Gewalt im Verantwortungsbereich der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht vor. Der seit 2018 amtierende Bischof Heiner Wilmer hat ein solches nur angekündigt.

          Desgleichen fehlt es in Hildesheim an einer Aufarbeitungskommission und einem Betroffenenbeirat, wie sie zwischen der Bischofskonferenz und dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes- Wilhelm Rörig, im Juni 2020 vereinbart worden waren.

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