https://www.faz.net/-gpf-6kkys

Sexueller Missbrauch : Bischöfe einig über Entschädigung von Opfern

Die deutschen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung Anfang September im Dom zu Fulda Bild: dpa

Nach Informationen der F.A.Z. haben die katholischen Bischöfe sich geeinigt, wie die Opfer sexueller Übergriffe von Geistlichen entschädigt werden könnten. Die Regeln sollen am Donnerstag dem Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ der Bundesregierung vorgestellt werden.

          1 Min.

          Die katholischen Bischöfe haben sich im Grundsatz über den Weg verständigt, auf dem sie dem Leid der Opfer sexueller Übergriffe von Geistlichen Anerkennung widerfahren lassen wollen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wollen die Bischöfe dem Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ der Bundesregierung an diesem Donnerstag ein Modell unterbreiten, das auf drei Säulen beruht. Die erste besteht aus einer einmaligen Zahlung eines Geldbetrags, der als „finanzielle Anerkennung“ des zugefügten Leids gelten soll. Als zweite Säule wird ein Verfahren ins Auge gefasst, das im Einzelfall garantieren soll, dass therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Als dritte Säule gelten Regelungen für individuelle Härtefälle.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Viele Details dieses Modell einschließlich der Höhe der finanziellen Anerkennung waren am Mittwoch noch ungeklärt. Ohnehin wollen sich die Bischöfe endgültig erst nach einer eingehenden Diskussion des Modells am Runden Tisch festlegen. Wie allen anderen Teilnehmern des Runden Tisches ist ihnen bewusst, dass jede Regelung nicht nur die Kirche bände, sondern indirekt auch Schulträger oder Sportvereine. Überdies dürfte jede Festlegung, die am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauchs“ getroffen wird, auch die bevorstehenden Beratungen des „Runden Tischs Heimkinder“ präjudizieren.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, hatte das nunmehr konkretisierte Modell in der vergangenen Woche mit den Worten begründet, es solle „Opfer dabei unterstützen, ihr Opferschicksal zu überwinden und neue Stärke zu gewinnen“. Wie viele Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten Geistlichen zum Opfer fielen, vermag die Bischofskonferenz bis heute nicht zu sagen. Weder die mehr oder weniger akribischen Recherchen in den insgesamt 27 Bistümern wie auch die Auswertung der Anrufe auf der seit Ende März betriebenen „Hotline“ der Bischofskonferenz haben bis jetzt Ausmaß und Umfang der sexuellen Übergriffe hinreichend präzise erkennen lassen.

          Unklar ist auch, wie viele der Personen, die sich in den vergangenen Monaten als Opfer sexueller Übergriffe zu erkennen gegeben haben, auf eine finanzielle Anerkennung ihres Leides dringen. Daher ist auch die Höhe der finanziellen Lasten für die Kirche nicht abzuschätzen. Der Münchner Erzbischof Marx oder der Trierer Bischof Ackermann, die in den vergangenen Monaten mit heute längt erwachsenen Opfern zusammengetroffen sind, haben davon gesprochen, dass es vielen vor allem darauf ankomme, mit ihrem Leid von Repräsentanten der Kirche erstmals ernst genommen zu werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin beobachtet im September 2019 eine Militärübung.

          Ukraine-Konflikt : Was will Putin wirklich?

          Mit seinem Truppenaufmarsch befördert Russland, was es angeblich verhindern will: dass die NATO ihre Ostflanke verstärkt und der Westen Waffen an die Ukraine liefert.
          Am Tatort: Spurensicherung

          Amoklauf in Heidelberg : Im Hörsaal getötet

          Ein Student dringt mit mehreren Waffen in einen Hörsaal ein, und eröffnet das Feuer. Eine Frau stirbt nach einem Kopfschuss. Hinter dem Angriff soll eine Beziehungstat stecken.
          Hauptsache dagegen: Mehr als Zweitausend Impfgegner, Coronaleugner und Querdenker demonstrieren in der Innenstadt von Frankfurt am Main gegen die Corona-Maßnahmen.

          Corona-Proteste : Wo bleibt der Widerspruch?

          Seit Wochen bestimmen die Aufmärsche der „Querdenker“ die Bilder und Nachrichten. Dabei kann die große Mehrheit mit der Radikalopposition der Bewegung nichts anfangen. Warum sind die Besonnenen und Vernünftigen im Moment so still?