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Missbrauch : Sexualisierte Gewalt an Kindern nimmt zu

Bild: dpa

Durchschnittlich wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 49 Kinder je Tag Opfer sexualisierter Gewalt. Und das ist nur das Hellfeld.

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          Im vergangenen Jahr sind mehr als 17.700 Kinder und Jugendliche in Deutschland Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Wie der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch am Montag mitteilte, entspricht das im Durchschnitt 49 minderjährigen Opfern pro Tag. Gemeinsam mit der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Kerstin Claus, stellte er eine Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik mit Detailangaben zur Gewalt an Kindern vor. Demnach wurden 17.704 Kinder unter 14 Jahren im vergangenen Jahr Opfer von Missbrauch, 2281 von ihnen waren jünger als sechs Jahre.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Insgesamt sind laut polizeilicher Kriminalstatistik im vergangenen Jahr die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch um 6,3 Prozent auf über 15.500 Fälle gestiegen. Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz oder Herstellung sogenannter kinderpornografischer Schriften haben sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Die Polizei hat 39.171 solche Fälle registriert, 2020 waren es 18.761 gewesen. Die Zahl der Fälle von Verbreitung oder Besitz jugendpornografischer Schriften stieg auf 5105; im Vorjahr hatte die Polizei 3107 Fälle entdeckt.

          Diese Zahlen geben das Hellfeld wieder, also die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie ermittelten Delikte. „Wir haben bis heute keine verlässlichen Zahlen zum Dunkelfeld“, kritisierte die Missbrauchsbeauftragte Claus. Wegen der fehlenden Bezugsgrößen sei nicht klar, wie erfolgreich die Ermittlungen zu sexueller Gewalt gegen Kinder derzeit sind. Claus forderte die Errichtung eines Forschungszentrums zur kontinuierlichen und langfristigen Erhebung von Analysedaten zum Dunkelfeld sexueller Gewalt gegen Kinder in Deutschland.

          Sie sprach sich auch für eine deutlich engere Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden in Europa aus. „Europa ist zum Drehkreuz bei der Verbreitung von Missbrauchsabbildungen geworden“, erklärte Claus. So werden nach Angaben des Bundeskriminalamts rund 60 Prozent der weltweit im Internet verbreiteten Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendlichen auf europäischen Servern gelagert.


          Hilfe bei Missbrauchsfällen

          Für Betroffene von sexualisierter Gewalt sowie deren Angehörige und Fachkräfte gibt es kostenlose und anonyme Beratungsangebote, die Sie unterstützen.

          Kinder und Jugendliche können sich unter der 116 111 an die „Nummer gegen Kummer“ wenden. Die Beratung ist auch per Chat oder E-Mail möglich.

          Erwachsene, die sich um ein Kind sorgen, können beim Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch anrufen: Sie ist unter der 0800 22 55 530 montags, mittwochs und freitags von 9:00 bis 14:00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15:00 bis 20:00 Uhr erreichbar. Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch bietet zudem Informationen für Betroffene wie Angehörige und listet Therapieangebote in Ihrer Nähe.

          Die Medizinische Kinderschutzhotline richtet sich an medizinisches Fachpersonal, das mit Verdachtsfällen konfrontiert ist. Sie ist unter der 0800 19 210 00 rund um die Uhr erreichbar.

          Wer das Gefühl hat, pädophile Neigungen zu haben, findet bei „Kein Täter werden“ Ansprechpartner. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht.

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