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Sexuelle Selbstinszenierung im Internet : „Sexy bitch“ liebt „klaiines luuder“

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Wünsche gehen tiefer als der angestachelte Sexualtrieb

Die eigentlichen Wünsche der Teenager gehen tiefer als der durch Gratiskondome angestachelte Sexualtrieb. Im Kino bricht die Vampir-Saga „Twilight“ Rekorde, nicht allein wegen gutaussehender Vampire, sondern auch, weil die Geschichte an die alten Bilder von Liebe, Treue und Familie erinnert. Edward Cullen, der blutsaugende Romantiker aus dem letzten Jahrhundert, möchte seine Angebetete vom Heiraten überzeugen; an Sex ist noch gar nicht zu denken. Schwärmend sitzen die Mädchen in den Kinosesseln, während ihnen das Verhütungsmittel durch die Blutbahn zirkuliert. Ihre Sehnsüchte und die Realität, in der sie sich befinden, klaffen auseinander. Verabredungen, die im Bett ausklingen, verarbeiten sie mit der besten Freundin.

Generation Facebook: Wer normal lebt, lässt nichts aus, bis die große Liebe kommt.
Generation Facebook: Wer normal lebt, lässt nichts aus, bis die große Liebe kommt. : Bild: dpa

Die Sehnsucht nach Nähe ist groß, die Enttäuschungen, wenn es wieder nicht der Richtige war, auch. Mit erwachsenem Gehabe entwachsen die Mädchen dem Teenageralter. Junge Frauen, die nach eigenem Gutdünken gelebt haben, halten das souveräne Beenden intimer Beziehungen für soziale Kompetenz. Sie messen Reife am verantwortungsvollen Umgang mit der Pille, und „Twilight“ finden sie inzwischen kitschig. Permanent wischen sie jedoch über das Smartphone, auf der Suche nach neuen Whatsapp-Meldungen und Facebook-„Likes“. Blendende Inszenierungskünste verbergen emotionale Abhängigkeiten. Wirklich selbstbestimmt ist, wer Sexualität in einer beginnenden Freundschaft hintanstellt, aber die Aussicht auf eine dauerhafte Bindung nicht als Einengung, sondern als Erweiterung empfindet.

Weg in die soziale Promiskuität

Tägliche Hypersexualisierung und labile Beziehungen können zur Abspaltung des kindlichen Ichs führen. Denkbare Folgen sind soziale Promiskuität bei gleichzeitiger Unfähigkeit, Intimität zuzulassen, oder auch Wut auf das andere Geschlecht. Muster dieses Denkens finden sich bereits unter den sich abgeklärt gebenden Dreizehnjährigen: „aber wir stehen alles durch was >männer< betrifft.,  wie ich om schon gschriem hab 'ausgfotzte oaschlecha'. wir sind jetz eh schon lesbisch mit alinaa. alsoo (: und lesben sind die besten., oder auch Bi .,  < >> bisschen bi schadet nie. ( . . . ).“ Lustige Zoten, zynische Vulgarismen und ein betont normaler Umgang mit Sex, etwa das demonstrative Einnehmen der Pille in der Schule, aber auch bloß die Angst, vor seinen Freunden als prüde zu gelten, sind Indikatoren einer enttabuisierten Sexualität, die das zerstört, was Sex eigentlich ausmacht.

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