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Seuchen-Bekämpfung in Deutschland : Ebola-Spezialisten bezweifeln Angaben des Gesundheitsministers

  • -Aktualisiert am

Seuchen-Übung auf der Isolierstation des Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart Bild: dpa

Fünfzig Behandlungsbetten stünden Ebola-Patienten in Deutschland zur Verfügung - sagt Gesundheitsminister Gröhe. Mit der Seuche befasste Mediziner stellen diese Zahl in Frage.

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          Mehrere mit Ebola befasste Mediziner haben die Angaben von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Frage gestellt, nach denen in Deutschland fünfzig Behandlungsbetten für Ebola-Infizierte zur Verfügung stehen. „Auf Bundesebene ist die Zahl von fünfzig Betten für Ebola-Patienten sehr hoch gegriffen, höchstens zwanzig Fälle sind auf höchster Schutzstufe kontrolliert zu bewältigen“, sagte der Leiter der Sonderisolierstation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus, Eduard Stange, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Fünfzig Plätze seien „das absolute Maximum unter optimalen Bedingungen“, sagte der Infektiologe des Frankfurter Gesundheitsamtes Antoni Walczok.

          Auch der Leitende Oberarzt des Leipziger St. Georg Klinikums Thomas Grünewald, in dessen Haus am Montagabend ein Ebola-Patient starb, rechnet mit Problemen, sollte die Zahl der Ebola-Patienten in Deutschland ansteigen. Fünfzig Ebola-Patienten könnten in Deutschland „nicht mehr auf höchstem medizinischen Niveau versorgt werden“, sagte Grünewald. Dass die Zahl der Ebola-Patienten steigen könnte, hält Stange nicht für unwahrscheinlich. Unter den deutschen Freiwilligen, die als Helfer in die von der Epidemie betroffenen Länder reisten, „wird es sicher zu Infektionen kommen“, sagte Stange.

          In Brüssel werden an diesem Donnerstag die EU-Gesundheitsminister über verbesserte Vorkehrungen gegen Ebola in Europa sowie zusätzliche Hilfen für die betroffenen afrikanischen Staaten beraten. Wie es in der Europäischen Kommission hieß, sollen die Kontrollen des Gesundheitszustandes von Personen sowohl bei der Abreise in Afrika als auch bei der Ankunft in Europa verbessert werden. Da zwischen der Ansteckung mit dem Virus und dem Ausbruch der Krankheit zwei bis 21 Tage vergehen könnten, böten Kontrollen wie das Messen der Körpertemperatur nur einen bedingten Schutz vor einer Einschleppung der Krankheit.

          Tödliche Epidemie : Wie man sich gegen Ebola schützt

          Daher komme es vor allem auf umfassende Aufklärung der Reisenden über mögliche anfängliche Symptome der Krankheit wie plötzliches Fieber, Glieder- oder Kopfschmerzen an, hieß es in der Kommission. Allerdings träten entsprechende Symptome jahreszeitlich bedingt momentan häufiger bei klassischen Erkältungskrankheiten oder Grippeinfektionen auf. Gefährdete Passagiere müssten sich selbst darüber bewusst sein, ob und wo sie möglicherweise mit infizierten Personen in Kontakt gekommen sein könnten, hieß es. Informationen für Reisende in allen EU-Amtssprachen hat ein für den Schutz vor grenzüberschreitenden Gefährdungen durch Krankheiten zuständiger EU-Fachausschuss bereitgestellt.

          Infizierte reiste mit Flugzeug

          Unterdessen ist bekannt geworden, dass die zweite in den Vereinigten Staaten mit Ebola infizierte Pflegekraft kurz vor Ausbruch der Krankheit noch mit einem Passagierflugzeug gereist ist. Die Person sei am Abend des 13. Oktober von Cleveland im Bundesstaat Ohio nach Dallas in Texas geflogen, teilte die Gesundheitsbehörde CDC mit. Am Morgen danach habe sie Fieber bemerkt, wurde positiv auf Ebola getestet und auf eine Isolierstation eingewiesen.

          Die Behörde rief alle 132 Passagiere des Flugs 1143 der Linie Frontier Airlines auf, sich zu melden. Die Menschen, die besonders gefährdet für eine Ansteckung seien, würden dann beobachtet.

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