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Selbstbestimmungsgesetz : Finger weg von der Schöpfung

Auf dem Transgender Day. Bild: dpa

Die Ampel will eine Geschlechterbestimmung à la carte, oder eher noch: all you can eat. Sie sollte besser tatsächliche Diskriminierungen abbauen.

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          Der Mensch ist frei und handelt selbstbestimmt. Gut, dass die Ampelkoalition daran erinnert. Doch der Mensch findet auch etwas vor. Er wird in diese Welt geboren. Vieles kann er ändern, manches nicht. Die Gemeinschaft muss darauf achten, dass niemand diskriminiert wird. Aber aus alten, verfassungswidrigen Prozeduren des nun abgeschafften Transsexuellengesetzes und schlimmen Einzelschicksalen darf nicht folgen, alle Schranken fallen zu lassen.

          Dass alle, auch schon Kinder in der Pubertät, ihr Geschlecht grundsätzlich wählen können sollen, ist ein Teil einer gesellschaftspolitischen Zeitenwende, die so schleichend wie folgenreich ist. Eine weitere Naturkatastrophe, hausgemacht. Geschlecht à la carte oder eher noch: All you can eat.

          Was tut man Jugendlichen damit an?

          Was tut man den Kindern und Jugendlichen in einer schwierigen Phase damit an? Wer sich einfach zum Mann oder zur Frau erklären kann, ist zudem künftig in der Lage, geschlechtsspezifische Pflichten nach Gusto zu meiden und ebensolche Vorteile einzuheimsen. Pflichten nur für Männer dürften damit am Ende sein, ebenso wie Vorteile nur für Frauen. Der Zugang zu Räumen, die bisher Frauen vorbehalten sind, ist nach dem Willen von SPD, Grünen und FDP künftig für jeden ein Leichtes. Im Sport tun sich ganz neue Möglichkeiten auf: plötzlich Nationalspielerin, Weltmeisterin gar, das Überspringen von tausend Ranglistenplätzen durch eine einfache Erklärung.

          Ein Traum – aber kein schöner. Es ist kein Zufall, dass der sich stets bemüht avantgardistisch gebende Deutsche Fußball-Bund es „diversen“ Spielern künftig freistellt, in Frauen- oder in Männermannschaften zu spielen. Warum gilt diese Regelung dann nicht auch für die Profis? Offenbar endet die Freiheit, wenn es um Geld geht.

          Es geht aber um noch mehr. Jede Frauenförderung verliert ihren Sinn, wenn das Geschlecht als beliebige Größe angesehen wird. Die Ampel sollte sich wirklich für den Abbau von Diskriminierungen einsetzen – und die Finger von der Schöpfung lassen.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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