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Seenotrettungspläne : Morddrohungen gegen EKD-Chef Bedford-Strohm

  • Aktualisiert am

Heinrich Bedford-Strohm im Dezember in Hamburg Bild: dpa

„Recht konkrete Drohungen“ habe er wegen der Seenotrettungspläne der evangelischen Kirche erhalten, sagt der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm. Mitverantwortlich dafür sei ein Mangel an Ethik im Internet.

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          Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat wegen der Pläne der Evangelischen Kirche für ein eigenes Flüchtlings-Rettungsschiff Morddrohungen erhalten. Im Zusammenhang mit seinem Engagement für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer habe er „recht konkrete Drohungen“ bekommen, sagte Bedford-Strohm der „Augsburger Allgemeinen“ von Samstag.

          Außenminister Heiko Maas (SPD) schrieb bei Twitter, es sei „einfach unerträglich, wenn Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit zu Morddrohungen führen“. „Wir müssen uns an die Seite aller stellen, die bedroht und verhetzt werden, weil sie sich für unsere Gesellschaft engagieren“, forderte Maas. „Sie haben unsere Unterstützung verdient.“

          Bedford-Strohm sagte weiter, er nehme die Morddrohungen gegen ihn zwar „nicht sehr ernst“. Es sei aber dennoch wichtig, dass diese konsequent von der Polizei verfolgt würden. Dies gelte nicht nur für Drohungen gegen ihn persönlich, sondern etwa auch für WDR-Mitarbeiter, die wegen des von einem Kinderchor vorgetragenen satirischen Liedes „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“ Drohungen erhielten.

          Der bayerische Landesbischof kritisierte in diesem Zusammenhang einen Mangel an Ethik im Internet. Auch für die modernen Technologien müssten „Normen und Regeln“ gelten. „Soziale Netzwerke sind zum Schutzraum für Hetzer geworden, das kann nicht sein“, sagte Bedford-Strohm. „Menschen, die dort hetzen, bekommen das Gefühl, dass ihre menschenfeindlichen Äußerungen salonfähig sind.“ Rassistische, antisemitische oder andere diskriminierende Äußerungen ließen sich nicht unter Berufung auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen. „Hass ist keine Meinung“, betonte der Bischof.

          Bedford-Strohm schlug eine „Ethik für Programmierer“ ähnlich derer für Ärzte vor. „Denkbar wären etwa pluralistisch zusammengesetzte, unabhängige Kontrollgremien für die sozialen Medien - analog den Rundfunkräten, die es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland gibt“, fügte er hinzu.

          Die Seenotrettungspläne der Evangelischen Kirche verteidigte Bedford-Strohm in der Zeitung. Mit „politischem Aktivismus“ hätten die Pläne nichts zu tun. „Wir stehen für die Seenotrettung ein“, betonte Bedford-Strohm. Dies gelte auch für andere Hilfsorganisationen: „Wenn das Handeln der Seenotretter kriminalisiert wird, haben sie uns auf ihrer Seite“, sagte der EKD-Ratspräsident.

          Dem von der Evangelischen Kirche gegründeten Aktionsbündnis United4Rescue haben sich inzwischen mehr als 150 Organisationen angeschlossen. Ende Januar will das Bündnis nach eigenen Angaben das Schiff „Poseidon“ aus dem Besitz des Landes Schleswig-Holstein kaufen. Es soll zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer eingesetzt werden.

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