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Seehofer kritisiert Guttenberg : „Völlig daneben“

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Einst durchaus auch politische Konkurrenten: Karl-Theodor zu Guttenberg und Horst Seehofer - die CSU bleibt auf der Suche nach einer „Lichtgestalt“ Bild: dpa

Die CSU sei von „einer Infektion befallen, die das allmähliche Sterben der Volksparteien auslösen könnte“ bescheinigt Guttenberg seiner Partei. Der Vorsitzende Seehofer zürnt: Die Auslassungen lägen „völlig daneben.“

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          In der CSU haben am Donnerstag Äußerungen des früheren Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg über die Lage der Partei für Unruhe gesorgt. In einem Gesprächsbuch, aus dem die Wochenzeitung „Die Zeit“ Auszüge veröffentlichte, bescheinigte Guttenberg der CSU, von „einer Infektion befallen“ zu sein, „die das allmähliche Sterben der Volksparteien auslösen könnte oder bereits ausgelöst hat.“ Es wirke nur noch wie eine „Verhöhnung früherer Träume“, wenn die CSU bei einem Stimmenanteil von etwa vierzig Prozent sich als letzte verbliebene Volkspartei bezeichne. Es reiche für die CSU nicht aus, die gute alte Zeit zu beschwören; „da haben sich doch schon viele Spinnweben gebildet.“

          Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer rügte Guttenberg in scharfer Form; die Auslassungen des früheren Ministers lägen „völlig daneben.“ Er forderte Guttenberg auf, „diese bekannten Wortgirlanden zu beenden.“ Es sei kein guter Stil, alles und jeden herabzusetzen, um selbst erhöht zu werden, sagte Seehofer während seines Besuches in der Tschechischen Republik.

          Eine neue Partei?

          Die Irritationen in der CSU wurden noch durch die Formulierung Guttenbergs gemehrt, er sei „zurzeit“ Mitglied einer Partei, der eine Abwärtsbewegung drohe - und durch seine Aussagen über die Neugründung einer Partei, der er Erfolgschancen in der Mitte zumaß, wo die Union „lange nicht mehr so erkennbar“ sei, wie sie es aus seiner Sicht sein könnte.

          „Ich glaube, ... dass eine solche Gruppierung am ehesten in der Mitte Erfolg haben könnte, nicht an den Rändern des politischen Spektrums.“Im Kontrast dazu standen Spekulationen, Guttenberg werde bei der Bundestagswahl 2013 wieder für die CSU in seinem oberfränkischen Wahlkreis kandidieren. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der Vorsitzender des CSU-Bezirks Oberfranken ist, sagte, er wünsche sich eine Rückkehr Guttenbergs, der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten wohnt, in die deutsche Politik; ähnlich äußerte sich der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl.

          „Keine vakanten Stellen“

          Der frühere CSU-Vorsitzende Huber, der Guttenberg vorwarf, sich unsolidarisch gegenüber der eigenen Partei zu verhalten, sagte hingegen, die CSU habe „keine vakanten Stellen“; für Guttenberg werde kein „Thron“ freigehalten.

          Zwar hat die CSU im heimischen Oberfranken den Bundestagsstimmkreis Kulmbach-Lichtenfels bislang faktisch für Guttenberg reserviert: Er hat noch ein halbes Jahr Zeit, sich zu erklären. Doch der rote Teppich für „KT“ würde an der oberfränkischen Bezirksgrenze enden. An der CSU-Basis im restlichen Bayern ist eine Wiederkehr Guttenbergs nach Angaben von CSU-Politikern derzeit kein Thema.

          Ich sehe überhaupt keinen großen Anlass, darüber zu diskutieren“, sagt etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. An der CSU-Basis in Mittelfranken sei Guttenberg in den vergangenen Wochen gar kein Thema gewesen - „weder negativ noch positiv“.

          Ähnlich äußert sich Umweltminister Marcel Huber: „Wir haben so viele andere Themen, dass über Guttenberg kaum diskutiert wird.“ Guttenberg bringe “sich selber ins Gespräch, aber das ist viel zu früh“, meint ein bayerisches Kabinettsmitglied. In Oberfranken gibt es eine tiefe Sehnsucht“, erklärte dagegen der Kulmbacher Landtagsabgeordnete Martin Schöffel am Donnerstag - vor Bekanntwerden des Interviews.

          „Wenn er wiederkommen mag, darf er“

          Der künftige Lichtenfelser Landrat Christian Meißner - einst Büronachbar Guttenbergs - sagte: „Wenn er wiederkommen mag, darf er. Und ich bin überzeugt, er würde auch gewählt.“ Bisher habe in der örtlichen CSU auch kein anderer Interesse an dem verwaisten Bundestagssitz bekundet. Sollte Guttenberg von seinen oberfränkischen Parteifreunden tatsächlich wieder für den Bundestag nominiert werden, könnte Seehofer dagegen gar nichts machen, wie CSU-Politiker sagen. Die Gliederungen der CSU sind in der Kandidatenaufstellung autonom.

          Guttenberg war vor neun Monaten wegen der Plagiatsaffäre als Verteidigungsminister zurückgetreten. Es hatte sich herausgestellt, dass er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies kenntlich zu machen.

          Plagiatsaffäre : Ermittlungen gegen Guttenberg eingestellt

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