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Nach Frankfurter Gewalttat : Seehofer fordert mehr Polizeipräsenz an Bahnhöfen

  • Aktualisiert am

Münch, Seehofer und Romann: Pressekonferenz nach dem Verbrechen von Frankfurt am Dienstag in Berlin Bild: Reuters

Als Konsequenz aus der tödlichen Attacke auf einen Achtjährigen im Frankfurter Hauptbahnhof will der Bundesinnenminister mehr Polizisten im öffentlichen Raum – und mehr Videoüberwachung. Folgen für die Flüchtlingspolitik habe die Tat nicht, sagt Seehofer.

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          Nach dem Verbrechen am Frankfurter Hauptbahnhof will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Sicherheit an den Bahnhöfen in Deutschland umfassend verbessern, sowohl mit personellen als auch mit technischen Maßnahmen. Man werde „das Menschenmögliche für mehr Sicherheit tun“, sagte Seehofer am Dienstag in Berlin bei einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Bundeskriminalamts (BKA) Holger Münch und dem Bundespolizeipräsidenten Dieter Romann.

          Seehofer kündigte dazu ein – oder gegebenenfalls auch mehrere – Spitzentreffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der Deutschen Bahn AG an. Der Innenminister mahnte, die Diskussion über die nun zu ergreifenden Maßnahmen müsse ohne Tabus und „vorurteilsfrei“ geführt werden.

          Am Geld sollten solche Maßnahmen nicht scheitern, sagte er. „Wenn es um Menschenleben geht, gefällt mir das Argument mit dem Geld überhaupt nicht“, sagte Seehofer nach Beratungen mit den Sicherheitsbehörden des Bundes.

          Auf Nachfrage wollte er nicht ausschließen, über das Anbringen von Schranken vor Bahnsteigen zu diskutieren – trotz der hohen Kosten. Es sei „kein Argument“ zu sagen: „Das kostet Millionen und deshalb machen wir das nicht.“ Seehofers Bemerkung zielte auf die Deutsche Bahn ab. Diese hatte Forderungen, Bahnsteige nur noch für Ticketinhaber betretbar zu machen, zurückgewiesen, weil dies Hunderte Millionen Euro kosten würde.

          Die Debatte um die Sicherheit an Bahnhöfen war durch ein Gewaltverbrechen am Frankfurter Hauptbahnhof am Montag angestoßen worden. Ein 40 Jahre alter Eritreer steht unter dringendem Verdacht, einen achtjährigen Jungen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen zu haben. Der Junge starb noch im Gleisbett, die Mutter konnte sich retten und wurde verletzt. Beide stammen aus dem Hochtaunuskreis. Seehofer sprach von einem „kaltblütigen Mord“ und „grässlichem Verbrechen“.

          In ihren Reaktionen auf die Tat schlugen Politiker und Polizeigewerkschafter mehr Sicherheitsmaßnahmen und eine stärkere Präsenz der Polizei vor. Auch über Gleisbettabsperrungen oder Zugangsbeschränkungen zu den Gleisen wurde diskutiert.

          Sicherheit eine „komplexe Aufgabe“

          Der Innenminister erneuerte bei der Pressekonferenz auch seine Forderung nach einer stärkeren Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Er betonte, die Sicherheit an den etwa 5600 Bahnhöfen in Deutschland zu erhöhen, sei eine „komplexe Aufgabe“, weil die Bahnhöfe jeweils völlig unterschiedliche Strukturen hätten.

          Mit Blick auf die Debatte um den Hintergrund des mutmaßlichen Täters von Frankfurt warnte Seehofer vor einer Instrumentalisierung der Tat und betonte, der Eritreer sei in der Schweiz gut integriert gewesen. Gefragt nach den Folgen für die Flüchtlingspolitik sagte der Innenminister, die Bundesregierung sei auch weiterhin bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Daran ändere der Vorfall vom Montag nichts.

          Der mutmaßliche Täter soll nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft seit 2006 in der Schweiz leben. Laut dem Bundespolizeipräsidenten war er dort auch zur Festnahme ausgeschrieben.

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