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Seehofer : Ein Mann wie eine Volkspartei

  • -Aktualisiert am

Die CSU wird mit Horst Seehofer Regierungspartei in Bayern bleiben. Oder sie wird mit ihm in ihrer gegenwärtigen Form untergehen.

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          Wer hätte gedacht, dass Horst Seehofer ein glühender Anhänger von Kurt Tucholskys Ratschlägen für einen schlechten Redner ist. Bei seinem großen Auftritt auf dem CSU-Parteitag wollte er kein Ende finden; immer wieder kehrte er in rhetorischen Schleifen zum Anfang zurück, wie Fidel Castro in seinen besten Zeiten. Seehofer mochte spüren, dass eine so schöne Zeit so schnell nicht mehr für ihn wiederkehren könnte. Die Partei ist gegenwärtig ganz auf ihn ausgerichtet. Sie hat auch gar keine andere Wahl: Sie wird mit ihm Regierungspartei in Bayern bleiben - oder sie wird mit ihm in ihrer gegenwärtigen Form untergehen und ein bloßer Sonderfall eines CDU-Landesverbands werden.

          Die Leidensfähigkeit der CSU-Streiter ist entsprechend groß. Mit weit aufgerissenen Augen durften sie in München erleben, wie Seehofer wieder einmal eine seiner berühmten roten Linien bei der Euro-Rettung verschob; wenn es nach ihm geht, dürfen sich die Griechen jetzt doch mehr Zeit lassen bei der Stabilisierung - oder Neuerfindung - ihres Staates. Zumindest bis morgen, wenn einer der politischen Trabanten Seehofers wieder ausruft, nun müsse aber ein Exempel an Athen statuiert werden, oder Griechenland politisch-geographisch gleich in Afrika verortet.

          Seehofer ist die personifizierte Volkspartei; keine Position, für die er nicht gut wäre, mit Ausnahme des Marxismus-Leninismus und anderer Spielereien. Wer ihn gerade noch unter den Kritikern der Kanzlerin wähnte, konnte ihn in München schon wieder als ihren größten Fan erleben, der sich rühmt, ihr Blumensträuße aufs Mobiltelefon zu senden. Vielleicht fuhr Seehofer deshalb auf dem Parteitag immer wieder in eine neue rhetorische Kurve, obwohl schon alles gesagt war: Es dürfte auch ihm schwerfallen, immer den Überblick zu behalten, wofür er alles steht.

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