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Seehofer befördert die Frauenquote : Die CSU wird weiblicher

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Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär (rechts Daniela Ludwig, stellvertretende CSU-Landesgruppenvorsitzende) Bild: dapd

Der männliche Flügel der Berufspolitiker zahlt den Preis für die lange Herrschaft der Partei. Die wird CSU weiblicher als es die Grünen in deren besten Zeiten waren. Seehofer hat als Parteivorsitzender die Frauenquote befördert.

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          Es ist vierzehn Tage her, da sagte der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Seehofer beiläufig, sein Finanzminister Fahrenschon sei „der Richtige“. Wofür, darüber brauchte nicht gesprochen zu werden. Jetzt ist die Welt in Bayern eine ganz andere, der "Richtige" ist es nicht mehr, und die Zukunft scheint offen. Doch so sehr offen ist sie nicht. Der Trend geht dahin, dass die CSU weiblicher wird, als es die Grünen in deren besten Zeiten waren.

          Seehofer hat als Parteivorsitzender die Frauenquote befördert; zugleich aber ist der CSU der für unquotierte Männer tröstliche Effekt einer Doppelspitze völlig fremd. Wo in der CSU eine Frau herrscht, herrscht sie allein, und der an zweiter Stelle stehende Mann hat - anders als bei den Grünen, man denke nur an die Spitze der Bundestagsfraktion mit Künast und Trittin - das Nachsehen.

          Begrenzter männlicher Machtwille? Der aus dem Amt scheidende bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon und seine mögliche Nachfolgerin, Sozialministerin Christine Haderthauer
          Begrenzter männlicher Machtwille? Der aus dem Amt scheidende bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon und seine mögliche Nachfolgerin, Sozialministerin Christine Haderthauer : Bild: dapd

          Das erste Opfer dieser seit Monaten absehbaren Wirklichkeit ist Fahrenschon, der den wichtigsten Bezirksvorsitz innerhalb der Partei nicht zu erobern vermochte, sondern sich mit dem Posten eines der vier Stellvertreter zufriedengeben musste. Den Vorsitz eroberte mit Seehofers freundlicher Unterstützung die Bundeslandwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

          Doch Fahrenschon war nicht an Frau Aigner oder an Seehofers Quotenpolitik gescheitert, sondern an seiner mangelnden parteipolitischen Durchsetzungskraft. Die Bezirksvorsitzenden sind die Kurfürsten in der CSU, an ihnen vorbei werden weder Parteivorsitzende noch christlich-soziale Ministerpräsidenten gekürt.

          Dass Fahrenschon um diesen Posten nicht energischer und erfolgreicher kämpfte, war der Nachweis für einen begrenzten Machtwillen. Er hatte seine eindrucksvolle Karriere aufgrund seiner Fachkenntnisse, aber nicht aus eigenem Machtwillen, sondern anhand der Förderung durch andere geschafft. Wie er sich im Ministerleben damit zufriedengab, für seine präzisen finanzpolitischen Vorstellungen die Anerkennung durch die Kanzlerin zu erhalten, so gab er sich im Parteileben mit der Beachtung durch den Parteichef zufrieden, zumindest schien es lange Zeit so.

          Fahrenschon drängte nicht in die Öffentlichkeit, strebte nicht nach dem Jubel der Parteifreunde und suchte nicht die Bürger zu beeindrucken. Das aber wäre alles nötig gewesen, um jenen Aufstieg in Angriff zu nehmen, den ihm viele neidlos gönnten. Doch der Hoffnungsträger hatte seine Schranken eingesehen, bevor sie anderen überhaupt bewusst geworden sind.

          Ilse Aigner ist die Frau, auf die die CSU ihre Zukunft aufbaut. Im Alter von 46 Jahren hat sie eine weite Perspektive. Bei der jüngsten Vorstandswahl auf dem Nürnberger Parteitag vor wenigen Wochen hat sie nicht nur das beste Stimmenergebnis unter allen Bezirksvorsitzenden erzielt, sondern mit ihrem Einsatz für ihren Berliner Kabinettskollegen Ramsauer und gegen den Münchner Tausendsassa Gauweiler nicht nur ihr Talent beim Schmieden von ursprünglich unwahrscheinlichen Mehrheiten, sondern auch ihre langfristige Ausrichtung auf eine europafreundliche Politik bewiesen.

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