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Nach Brand in Moria : Sebastian Kurz: Österreich nimmt keine Flüchtlinge auf

  • Aktualisiert am

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz Bild: Reuters

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz warnt die EU-Staaten davor, dass „wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015“. Nach dem Brand von Moria dürfe die europäische Politik dem Druck nicht nachgeben, Migranten aufzunehmen.

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          Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat die Haltung seiner Regierung bekräftigt, keine Migranten aus dem abgebrannten Aufnahmelager in Moria aufzunehmen. „Wenn wir diesem Druck jetzt nachgeben, dann riskieren wir, dass wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015“, sagte der ÖVP-Politiker am Samstag in einer Videobotschaft auf Facebook. In der damaligen Flüchtlingskrise hätten die „schrecklichen“ Bilder von Migranten am Bahnhof in Budapest dazu geführt, dass die europäische Politik dem Druck nachgegeben habe. Daraufhin hätten sich mehr Menschen auf den Weg nach Mitteleuropa gemacht, sagte Kurz. Österreich wolle stattdessen an Ort und Stelle zu einer menschenwürdigen Versorgung beitragen.

          Vier Tage nach dem Großbrand, der das Aufnahmelager Moria auf der griechischen Insel Lesbos zerstört hat, war die Situation auf der Insel weiterhin angespannt und unübersichtlich. Nach Angaben des griechischen Staatsradios konnten am Samstagnachmittag die ersten Migranten ein neues, provisorisches Zeltlager beziehen. 

          Am Samstag kam es auf Lesbos immer wieder zu spontanen Demonstrationen von Migranten, die teils zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei führten. Die Migranten warfen mit Steinen, die Polizei setzte Tränengas ein, wie Bilder im griechischen Fernsehen zeigten. Auch seien von den ehemaligen Lagerbewohnern entlang der Straße immer wieder Feuer entzündet worden, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA.

          Ein Migrant auf Lesbos flüchtet nach einem Tränengas-Einsatz der Polizei.
          Ein Migrant auf Lesbos flüchtet nach einem Tränengas-Einsatz der Polizei. : Bild: Reuters

          Die Zusammenstöße spielen sich entlang einer Straße zur Inselhauptstadt Mytilini ab, auf der viele Migranten nach dem Brand gestrandet sind und die nun in beide Richtungen von der Polizei abgesperrt wurde. Die Beamten versuchten, die Menschen daran zu hindern, in die Inselhauptstadt Mytilini zu gelangen. Stattdessen sollen sie in einem neuen, provisorischen Zeltlager untergebracht werden, das seit Freitag auf einem ehemaligen militärischen Schießübungsplatz errichtet wird.

          Die ersten Menschen sollen dort nun schon aufgenommen worden sein, berichtete das griechische Staatsradio. Sie würden registriert und sofort einem Corona-Schnelltest unterzogen. Vor dem Brand am Mittwoch waren bereits 35 Migranten positiv auf das Coronavirus getestet worden, im anschließenden Chaos konnten sie aber nicht mehr ausfindig gemacht werden. Das Online-Portal „Sto Nisi“ berichtete, dass am Samstag ein 20 Tage alter Säugling einer Migrantenfamilie aus Afghanistan mit starken Symptomen im Inselkrankenhaus positiv auf Corona getestet und mit seiner Mutter nach Athen in ein Krankenhaus gebracht worden sei.

          Griechische Soldaten errichten auf einer Shooting Range auf der Insel Lesbos UNHCR-Zelte zur Unterbringung von Flüchtlingen.
          Griechische Soldaten errichten auf einer Shooting Range auf der Insel Lesbos UNHCR-Zelte zur Unterbringung von Flüchtlingen. : Bild: dpa

          UN-Generalsekretär António Guterres forderte am Samstag, die obdachlos gewordenen Menschen aufs Festland zu bringen. Er habe die „Verwüstung“ verfolgt, schrieb Guterres auf Twitter. „Die Lösung liegt darin, sich um alle betroffenen Menschen zu kümmern, insbesondere die Verwundbarsten, und damit anzufangen, die Menschen auf das Festland zu bringen.“ Zahlreiche Migranten sagten Journalisten auf Lesbos, sie wollten nicht ins provisorische Lager und sähen die Lage als Chance, ihre Abreise durchzusetzen. „Wir wollen Freiheit. Wir wollen nach Deutschland – nicht ins Lager“, sagen viele.

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