https://www.faz.net/-gpf-6k1q0

Sebastian Frankenberger : Ein Mann, viele Pläne

  • -Aktualisiert am

Sebastian Frankenberger: Initiator des Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!” Bild: dpa

Sein Erfolg beim Volksentscheid über den Nichtraucherschutz ist ein kleines Waterloo für die CSU: Sebastian Frankenberger hat schon viel bewegt und noch mehr vor. Der 28 Jahre alte frühere Ministrant will die katholische Kirche „revolutionieren“ und in Passau Oberbürgermeister werden.

          Auch nach seinem Triumph beim Volksentscheid, mit dem in Bayern ein ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie auf den Weg gebracht worden ist, mangelt es Sebastian Frankenberger nicht an großen Plänen. 2020 will er Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt Passau werden - und, weil es gerade so gut für ihn läuft, die katholische Kirche auch noch „revolutionieren“, hin zu mehr Spiritualität.

          Ein Träumer ist Frankenberger trotz solcher launiger Ankündigungen nicht - das musste die CSU schmerzlich erfahren, die Frankenberger als Organisator des erfolgreichen Volksbegehrens zum Schutz der Nichtraucher vor sich hertrieb.

          Mit seinen 28 Jahren kann Frankenberger schon mit einer Vita aufwarten, die in früheren Zeiten für zwei Leben gereicht hätte - und die in ihrer Buntheit nicht untypisch ist für seine Generation. Geprägt durch eine Jugend als Ministrant, Organist und Lektor in der Passauer Pfarrei St. Josef und Schulsprecher seines Gymnasiums, wollte er nach einem Studium der katholischen Theologie Pastoralreferent werden. Doch er musste feststellen, dass diese berufliche Perspektive sich nicht erfüllen ließ, weil nach seinen Worten „die Diözese Passau in den nächsten fünfzehn Jahren keine pastoralen Mitarbeiter mehr“ brauche.

          Keine Position im Landtag aber dennoch Einfluss auf die Politik: Bundesweites Rauchverbot initiiert durch die ÖDP

          Fremdenführer und Notfallseelsorger

          Frankenberger suchte einen Ausweg, indem er sich durch Aus- und Fortbildungen ein eigenes professionelles Umfeld schuf, losgelöst von tradierten Mustern und Laufbahnen. Er ist staatlich geprüfter Fremdenführer im nahen Österreich; er arbeitet als Notfallseelsorger im Stadtdekanat Passau; er organisiert Ausstellungen für Künstler. Zur Politik fand er noch auf einem Pfad, der in Bayern über lange Jahre erprobt war und meist zur CSU führte - über die Schüler Union, deren Stadtvorsitzender er war. Doch mittlerweile sitzt er für die ÖDP im Passauer Stadtrat. Frankenbergers politischer Werdegang wirft ein Licht darauf, wie es gegenwärtig um die Bindekraft der CSU bestellt ist.

          Die ÖDP bezeichnet sich selbst als „Besonderheit“ im bayerischen Parteiensystem. Ihr ist es in den fast drei Jahrzehnten ihres Bestehens nie gelungen, in den Landtag einzuziehen. Aber sie hat es - nach ihrem saloppen Motto „Auch ein kleiner Reißnagel kann einen großen Hintern bewegen“ - verstanden, durch Volksbegehren einigen Einfluss auf die Politik zu nehmen, etwa bei der Abschaffung des Bayerischen Senats.

          So gesehen hat sich Frankenberger zu einer kampferprobten Truppe gesellt; er ist mittlerweile auch stellvertretender Landesgeschäftsführer der ÖDP. Sein Erfolg beim Volksentscheid ist ein kleines Waterloo für die CSU: Sie hatte zunächst selbst für einen strikten Schutz der Nichtraucher gesorgt, dann nach den Verlusten bei der Landtagswahl eilig ihr Haltung korrigiert - und jetzt beim Volksentscheid nicht einmal mehr die Kraft zu einer eigenen Positionierung aufgebracht.

          In Bayern ist vieles in Bewegung geraten: Ganz ausgeschlossen ist es nicht mehr, dass Frankenberger einmal Platz nehmen könnte auf dem Chefsessel im Passauer Rathaus; eher unwahrscheinlich dürfte aber doch sein, dass er nach Abschaffung des Zölibats in den Bischofssitz seiner Stadt einzieht.

          Weitere Themen

          Auch Merkel wurde überrascht Video-Seite öffnen

          Irans Außenminister bei G-7 : Auch Merkel wurde überrascht

          Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif war am Sonntag überraschend beim G7-Gipfel in Biarritz eingetroffen, um Lösungen im Streit über das Atomprogramm seines Landes zu sondieren.

          Topmeldungen

          Proteste gegen China : Hongkong ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft

          Chinas innenpolitischer Konflikt bedroht die ohnehin schon trübe Weltkonjunktur. Auch Pekings Vorgehen gegen die Fluggesellschaft Cathay sollte deutschen Unternehmen eine Warnung sein – denn auch Daimler und Lufthansa gerieten schon mal ins Fadenkreuz.

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.