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Edathy-Untersuchungsausschuss : Blick in den Abgrund

  • -Aktualisiert am

In Psychokriegsstellung: Edathy im Untersuchungsausschuss Bild: dpa

Sebastian Edathy kämpft im Untersuchungsausschuss mit großer Härte gegen seine Parteifreunde. Es geht um Alkohol, Eitelkeit und die noch im Nebel liegende Wahrheit.

          Der Bundestag sei eine „unglaubliche Alkoholiker-Versammlung“, die „teilweise ganz ordinär nach Schnaps“ stinke. „Je länger die Sitzung dauert, desto intensiver.“ Diese Beschreibung der Mitglieder des höchsten deutschen Parlaments stammt aus dem Jahr 1983 von einem Mann, der später Außenminister wurde, von Joschka Fischer. Auch über die Arbeit seiner Fraktion sprach der Grüne. Es sei ein „Psychokrieg aller gegen alle“. Fischer wurde damals heftig kritisiert für seine Äußerungen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Fast 32 Jahre später wurde am Donnerstagabend eine Behauptung über den Alkoholkonsum der Abgeordneten präsentiert, die an Fischers Bemerkungen erinnert. Der frühere Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, ein Sozialdemokrat, nahm vor dem Untersuchungsausschuss Bezug auf Behauptungen, er habe zeitweise viel getrunken. Wenn „mein sporadisch starker Alkoholkonsum“ zu der Auffassung führe, „dass ich nicht glaubwürdig bin“, dann wäre der halbe Bundestag nicht glaubwürdig, sagte Edathy.

          Freunde des schwarzen Humors könnten frohlocken, immerhin habe sich die Alkoholikerquote halbiert. Freunde des Parlamentarismus könnten sich allerdings vielmehr darüber entsetzen, mit welchen Waffen inzwischen gekämpft wird in jenem Ausschuss, der untersuchen soll, wann wer im Bundestag, in der Bundesregierung, im Bundeskriminalamt und vor allem in der SPD etwas wusste davon, dass Edathy rechtlich nicht verbotene Nacktbilder kleiner Jungen gekauft hatte und – das wird sich vor Gericht erweisen – vielleicht sogar verbotenes kinderpornographisches Material.

          Schon kurz vor Weihnachten war Edathy stundenlang vom Ausschuss befragt worden. Da sorgte er für Aufregung mit der Darstellung, dass der SPD-Abgeordnete Michael Hartmann ihn detailliert darüber informiert habe, welche Behörde gegen ihn, Edathy, ermittele und wo sein Vorgang gerade liege. Edathy behauptet, dass Hartmann ihm gesagt habe, die Informationen stammten vom damaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke. Hartmann bestritt Edathys Version Ende Dezember, Ziercke tat das am Donnerstag. Der inzwischen im Ruhestand befindliche Ziercke legte zwischen 13 und 18 Uhr ein hohes Maß an Emotionalität an den Tag, sprach es zwar nicht eindeutig aus, ließ den Zuhörer aber klar erkennen, dass er Edathy für einen Pädophilen hält. Über das Wesen der Pädophilen und ihre Gewohnheiten stellte der langjährige oberste deutsche Kriminalpolizist ausgiebige Betrachtungen an.

          „Ich kenne niemanden, der Herrn Oppermann mag“

          Dann schlug Edathy zu, bis tief in die Nacht. Er wirkte nicht mehr ganz so souverän wie im Dezember, aber sehr angriffslustig. Hartmann, der im vorigen Jahr seine Position in der SPD-Fraktion wegen der Einnahme von Drogen verlor, hatte bei seinem Auftritt vor Weihnachten auf Edathys Alkoholkonsum abgehoben. Nun berichtete Edathy von einem Treffen mit Hartmann und stellte es so dar, dass dieser eine Flasche Wein getrunken habe, er, Edathy, aber nur zwei Bier. Im Vergleich dazu gehörte es schon zu den sachlicheren Passagen, wenn Edathy den ihn befragenden Abgeordneten entgegenschleuderte, ein von ihm geschilderter Sachverhalt sei zwar „nicht besonders kompliziert“, er sei aber gern bereit, ihn noch einmal zu erklären.

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