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Scientology-Zentrale in Stuttgart? : Verfassungsschutz warnt vor Expansion

Bald auch in Stuttgart?:Eine Zentrale von Scientology in Clearwater im amerikanischen Bundesstaat Florida. Bild: AFP

Das wohlhabende Baden-Württemberg zieht die Scientology-Organisation an. Nun warnt der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) vor Expansionsplänen und beruft sich auf den Verfassungsschutz.

          Die Umgebung des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs, der 2021 fertig sein wird, ist nicht nur ein attraktiver Platz für Einkaufscenter, Penthouse-Wohnungen und Hotels. Auch die vom baden-württembergischen Verfassungsschutz seit Jahren beobachtete „Scientology-Organisation“ (SO) wird unweit des neuen Europaviertels hinter dem Hauptbahnhof demnächst eine neue Repräsentanz eröffnen. Diese Stuttgarter Niederlassung soll sogar zum „größten Zentrum“ der Scientologen in Deutschland ausgebaut werden.

          Verfassungsschutz gibt keine Entwarnung

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Anlässlich der Vorstellung des baden-württembergischen Verfassungsschutzberichts warnte Innenminister Reinhold Gall (SPD) vor der weiterhin großen Aktivität der verfassungsfeindlichen Organisation in Deutschland. „Keine Entwarnung“, so Gall, „kann auch im Hinblick auf die Scientology-Organisation SO gegeben werden, die nach wie vor antidemokratische Ziele verfolgt.“ Die SO strebt nach Auffassung des Verfassungsschutzes eine gesellschaftlich-politische Ordnung an, in der elementare Grundrechte nicht garantiert wären.

          In der Heilbronner Straße in Stuttgart hat die Organisation kürzlich nach Informationen des Verfassungsschutzes von einem privaten Eigentümer eine Immobilie mit 6000 Quadratmetern Nutzfläche für acht Millionen Euro gekauft. Immer wieder war von der Scientologen angekündigt worden, in der baden-württembergischen Landeshauptstadt eine so genannte „Ideale Org“ zu eröffnen.

          Mittelsmänner sollen Immobilie erworben haben

          Ähnlich wie in Berlin oder Hamburg sei das Objekt, so heißt es im Verfassungsschutzbericht, von Mittelsmännern erworben worden. In dem Haus betrieb ein Unternehmer bislang ein Geschäft für Motorradzubehör. Zum Aufbau der Repräsentanz soll schon 2013 die Kaderorganisation „Sea Org“ nach Stuttgart entsandt worden sein. 

          Bislang gibt es in Stuttgart eine größere „Org“ (Kirche) der Scientologen, so genannte „Missionen“ unterhält die 1954 in den Vereinigten Staaten gegründete Organisation in Ulm, Karlsruhe, Göppingen, Esslingen sowie Kirchheim/Teck. Die SO betreibt im Südwesten auch einen Wirtschaftsverband mit etwa fünfzig Mitgliedern. Die Verbandsmitglieder sind in der Regel in der Managementberatung sowie in der Immobilien- und Finanzdienstleistungsbranche tätig.

          Baden-Württemberg ist wegen des hohen Wohlstandsniveaus der Bürger seit Jahrzehnten ein wichtiges Operationsgebiet der SO. Seit 1972 gibt es im Südwesten eine Niederlassung der von Lafayette Ronald Hubbard gegründeten Organisation. In Deutschland soll es 4500 Mitglieder geben, in Baden-Württemberg 900. „Die Einnahmen sollen sich“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2013, „in einer Größenordnung von etwa einer Million Euro bewegen.“ Ein bedeutender Teil der Spenden stamme aus dem Verkauf von Auditing und aus Spenden an die Mitgliederorganisation der „Scientology Organisation“.

          Scientology bestreitet Kauf von Gebäude

          Ein Mitarbeiter der Stuttgarter Scientology-Zentrale bestritt die Behauptungen des Verfassungsschutzes, es handle sich um „Spekulationen“, es sei richtig, dass die Organisation seit 2007 in Stuttgart eine neue Immobilie suche. „Die Meldung des Verfassungsschutzes über die Immobilie kam für uns sehr überraschend, wir haben dazu keine Fakten“, sagte der Mann im Gespräch mit FAZ.NET. Das Landesamt für Verfassungsschutz blieb dagegen auf Nachfrage von FAZ.NET bei seiner Darstellung.
           

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