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„Schwimmkurse im Mittelmeer“ : Flüchtlings-Satire zu Bundespresseball löst Empörung aus

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Eine Satire über „Schwimmkurse für Flüchtlinge“ im „Almanach“ zum Bundespresseball sorgt für Empörung unter Journalisten und Politikern Bild: Screenshot: @RobertRossmann/Twitter

Mit einer Satire über „Schwimmkurse“ für Flüchtlinge im Mittelmeer in seinem Begleitheft „Almanach“ hat der traditionsreiche Bundespresseball einen Eklat ausgelöst. Journalisten und Politiker zeigen sich entsetzt, die Macher bitten um Entschuldigung.

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          Eine zum Bundespresseball erschienene Satire über Schwimmkurse für Flüchtlinge im Mittelmeer hat Wirbel unter den Hauptstadtjournalisten ausgelöst. Im „Almanach“ zum jährlichen Treff für Presse und Politik bietet eine angebliche „Bundesbade-Agentur“ unter anderem ein „Vorschul-Flüchtlingsschwimmen (ab 3 Jahre)“ an, „mit Festhalten an Treibgut, Tauchen bei hohem Wellengang, Springen vom Schlauchbootrand und Atemtechniken bei Nacht und Kälte“. Eine Karte zeigt das Mittelmeer als Schwimmschule. Am Mittwoch bat die Bundespressekonferenz um Entschuldigung für den Beitrag.

          Am Presseball nahm voriges Wochenende unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck teil. Korrespondenten großer Medien verurteilten im Kurznachrichtendienst Twitter die Satire-Aktion. Der Vorstand der Bundespressekonferenz kündigte für Mittwochnachmittag eine Stellungnahme an.

          „Süddeutsche Zeitung“-Korrespondent Robert Roßmann bezeichnete die Broschüre als „menschenverachtend“. Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter schrieb dazu: „So viel Zynismus und Menschenfeindlichkeit macht fassungslos.“

          Medienjournalistin Silke Burmester twitterte: „Der #Bundespresseball ein Fall für den #Presserat.“ Podcaster Tilo Jung („Jung & Naiv“) verteidigte hingegen die Aktion: „Satire ist Geschmackssache.“

          Eine erstes Statement aus der „Almanach“-Redaktion gab in der Nacht zu Mittwoch der Journalist Jens Peter Paul ab. „Tatsächlich ist das Stück ganz bitter und böse. Es ist anstößig. Es war Gegenstand mehrerer intensiver Diskussionen. Es gefällt mir selbst absolut nicht. Und lustig ist es erst recht nicht. Aber – Überraschung – das soll es auch nicht.“ Es sei eine Reaktion auf den deutsch-türkischen Flüchtlings-Deal und den massenhaften Tod von Menschen im Mittelmeer. Am Mittwoch dann, gab es eine Entschuldigung aus der Bundespressekonferenz: Der Vorstand bedauere, dass „mit diesem Beitrag Gefühle und Wertvorstellungen verletzt worden“ seien, steht in einer Erklärung aus Berlin. „Dafür bitten wir um Entschuldigung.“

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