https://www.faz.net/-gpf-afw2a

Schwesig im TV-Duell : Nichts zu verschenken

Manuela Schwesig, Moderator Andreas Cichowicz und Michael Sack beim TV-Duell in Mecklenburg-Vorpommern Bild: dpa

Die Verhältnisse sind klar: SPD-Kandidatin Manuela Schwesig punktet mit ihrem Amt in den Umfragen, Herausforderer Michael Sack liegt mit der CDU weit dahinter. Spannend beim Fernseh-Duell ist vor allem die Koalitionsfrage.

          2 Min.

          Manuela Schwesig sagt, sie habe keine Stimmen zu verschenken, und so tritt sie auch auf. Im Fernseh-Duell am Dienstagabend mit ihrem CDU-Konkurrenten Michael Sack gibt es kaum Themen, kaum Fragen, die sie nicht als Vorlage nutzt, um die Erfolge ihrer Regierung zu preisen: die Pakete, die man schon geschnürt und die Weichen, die man gestellt habe.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Eine Stunde lang überrollt sie so Sack und auch den Moderator, der irgendwann zu ihr sagt „Sie laufen mir schon wieder zeitmäßig davon“ und Herr Sack komme nicht mehr hinterher. Am Ende sind dann zumindest die Redeanteile fast wieder ausgeglichen. Aber das war es auch.

          Mit wem könnte Schwesig weiterregieren?

          Am 26. September wird nicht nur ein neuer Bundestag, sondern im Nordosten auch ein neuer Landtag gewählt und alle Umfragen weisen mit dicken, blinkenden Pfeilen darauf hin, dass die Sozialdemokraten an diesem Sonntag zumindest einen Sieg ganz sicher feiern können: jenen von Manuela Schwesig in Schwerin.

          Seit 2017 ist sie Ministerpräsidentin und dürfte es auch bleiben. Diese Frage schien also schon vor dem Duell geklärt. Spannend ist eigentlich nur, mit wem Schwesig weiterregiert. Und wie tief die CDU im Land noch fällt.

          F.A.Z. Machtfrage – Der Newsletter zur Bundestagswahl

          jeden Dienstag

          ANMELDEN

          Auf die erste Frage will Schwesig auch bei dem TV-Duell im NDR keine klare Antwort geben. Seit 1998 führt ihre SPD die Regierung in Schwerin. Die ersten Jahre durfte die Linkspartei mitmachen, seit 2006 ist die CDU der Juniorpartner. Nun hält sich Schwesig offen, mit wem es weitergeht. Mit der Linkspartei habe ihre Partei verlässlich regiert, mit der CDU ebenso.

          Sack hingegen versucht vor „Experimenten am Rand“ zu warnen, die aber doch im Nordosten nur bedingt zur Abschreckung taugen, weil sie so experimentell gar nicht mehr sind. Sack will mit seiner Partei aber weiter mitregieren, das ist das Ziel. Dass er dabei kaum Ministerpräsident sein kann, spricht an diesem Abend zwar niemand aus.

          Aber bei der letzten Umfrage kam die SPD auf 39 Prozent, die CDU auf 14 – noch hinter der AfD mit 17. Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich 65 Prozent für Schwesig entscheiden, elf Prozent für Sack, heißt es beim NDR gleich zum Auftakt. Was soll man da noch sagen?

          Umfrage zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

          , Umfrage von:
          Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

          Dabei kann man Michael Sack wenig vorwerfen mit Blick auf die schwierige Lage seiner Partei, weder allgemein, noch an diesem Fernseh-Abend. Allgemein ist er vor einem Jahr überhaupt nur und völlig überraschend in die Rolle des Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten hineingerutscht, weil der große Favorit für diese Aufgaben auf dem glitschigen Lobbyismus-Parkett vorher ausgerutscht ist: Philipp Amthor.

          Schiefes Verhältnis zwischen Schwesig und Sack

          Statt des bundesweit bekannten Hoffnungsträgers musste nun der kaum landesweit bekannte Landrat aus Vorpommern-Greifswald ran, über den man meist Nettes hört, aber eben wenig. Welch brutaler Kontrast vor allem zur medial dauerpräsenten Ministerpräsidentin.

          Im TV-Duell versucht er dann immer wieder ruhig, die Probleme aufzuzählen, die er als Landrat hautnah erleben kann. Er wirkt dabei glaubwürdig, er kennt die Probleme vor Ort. Nur wirkt das Verhältnis schief, wenn Schwesig dann schnell aufzählt, was sie als Landesmutter schon auf den Weg gebracht hat, um eben diese Probleme zu lösen. Weil die CDU zudem mitregiert, verfangen die Attacken von Sack kaum.

          So vergeht eine Stunde mit Fragen zur Bildung, zu Funklöchern und den Problemen der Infrastruktur in einem so dünn besiedelten Land. Es geht um Wirtschaft, Energie, Arbeitsplätze und die Corona-Politik der Landesregierung, die Sack ebenso unterstützt, wie das Nord-Stream-2-Projekt. Alles ruhig, alles ganz klar.

          Nur einmal lässt Schwesig Sack dann doch noch heftig auflaufen. Da geht es um die Finanzierung der beitragsfreien Kita im Land, es gibt eine Klage des Landkreises von Sack. Es geht darum, wie Kommunen und Land sich die Kosten aufteilen.

          Sack beklagt, dass es vorher nicht zu Gesprächen zur Klärung gekommen sei. Er hätte ja als Landesvorsitzender der CDU in die Haushaltsberatungen kommen können, um darüber zu reden, bevor er klage, weist Schwesig ihn spitz zurecht. Aber leider sei er ja nicht gekommen. Schwesig hat keine Stimmen zu verschenken, und so tritt sie auch auf.

          Weitere Themen

          SPD will schnell Gespräche mit Grünen und FDP führen Video-Seite öffnen

          Bundestagswahl : SPD will schnell Gespräche mit Grünen und FDP führen

          Der bisherige SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat die Grünen und die FDP zu Gesprächen über eine Ampel-Koalition noch in dieser Woche eingeladen. Er warnte die „kleinen Parteien“ zugleich davor, wieder „ein Schauspiel“ wie vor vier Jahren aufzuführen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.