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„Sexuelle Grenzverletzungen“ : Schwere Vorwürfe gegen Pfarrer in Köln

„Unter keinen Umständen geduldet“: Erzbistum Köln beruft Pfarrer aus Erftstadt wegen Missbrauchsvorwürfen ab Bild: dpa

Das Erzbistum Köln hat einen Geistlichen wegen „sexueller Grenzverletzungen“ abberufen. Der Fall ist in der betroffenen Gemeinde heftig umstritten.

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          Wegen „sexueller Grenzverletzungen“ hat das Erzbistum Köln am Wochenende einen Pfarrer aus Erftstadt von allen seinen Aufgaben entpflichtet. Details zu dem Vorgang, der sich in den siebziger Jahren zwischen dem Geistlichen und einem neun Jahre alten Mädchen abgespielt haben soll, wollte das Bistum nicht bekanntgeben. Doch hieß es in einer Mitteilung, die Aussagen der Betroffenen seien „detailliert und glaubhaft“, und der Pfarrer habe sein „grenzverletzendes Verhalten gegenüber dem damaligen Kind eingeräumt“. Der Geistliche, der in seiner Gemeinde hohes Ansehen genießt, legte in einer persönlichen Erklärung wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um sexuellen Missbrauch gehandelt habe. Auch kritisierte er, dass er schon beurlaubt werde, obwohl das kirchliche Verfahren zur Untersuchung der Vorwürfe noch nicht abgeschlossen sei.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Am Sonntagabend war in der betroffenen Gemeinde in Erftstadt kurzfristig eine Pfarrversammlung einberufen worden. Teilnehmer berichten, die Versammlung sei hochemotional verlaufen. Viele Gemeindemitglieder hätten die besonderen Leistungen ihres Pfarrers gewürdigt und von der Kirche ein Verfahren gefordert, in dem die Unschuldsvermutung besser gewahrt werde.

          „Eine sexuelle Komponente“

          Nach Informationen von FAZ.NET haben in dem Fall allerdings schon mehrere Anhörungen stattgefunden. Zudem soll sich die „Grenzverletzung“ über mehrere Jahre hingezogen haben. Ein Sprecher des Bistums wollte dies nicht kommentieren. Auf die Frage, was unter „sexueller Grenzverletzung“ zu verstehen sei, antwortete der Sprecher, es handle sich um „alles, was unangemessen ist zwischen Personen und eine sexuelle Komponente hat“.

          Das Generalvikariat sei im Fall aus Erftstadt zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solches Verhalten vorliege; entsprechend der Bistums-Richtlinien habe der Pfarrer jetzt entpflichtet werden müssen. Im konkreten Fall sei es nicht möglich, so zu tun als sei nichts geschehen. „Im Erzbistum gilt der Grundsatz, dass sexueller Missbrauch und Grenzverletzungen unter keinen Umständen geduldet werden.“

          Der Bistums-Sprecher berichtet davon, dass viele Priester mittlerweile enorm verunsichert seien. „Es wird viel darüber diskutiert, ob Priester bei Kindergartenbesuchen Kinder noch in den Arm oder auf den Schoß nehmen oder ihnen über den Kopf streicheln dürfen.“ Der von dem Pfarrer aus Erfstadt eingestandene Fall sei allerdings anders gewesen, sagte der Sprecher.

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