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Früherer AfD-Sprecher Lüth : „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD“

Christian Lüth, damals Pressesprecher der AfD und der AfD-Bundestagsfraktion, im März 2018 in Berlin Bild: dpa

Der ehemalige AfD-Sprecher Christian Lüth sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. In einem vermeintlich vertraulichen Gespräch soll er gesagt haben, Migranten könne man „erschießen“ oder „vergasen“. Am Montag zieht die AfD-Fraktion Konsequenzen.

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          Der Vorstand der AfD-Bundestagsfraktion hat ihrem früheren Sprecher Christian Lüth fristlos gekündigt. Fraktionschef Alexander Gauland habe die Entscheidung in der Fraktionssitzung verkündet, sagte ein Sprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Hintergrund sind menschenverachtende Äußerungen über Migranten in einer Fensehdokumentation, die Lüth nach bisher unbestätigten Berichten getätigt haben soll.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Demnach soll Lüth Ende Februar, als er noch Sprecher der AfD-Fraktion war, in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch mit einer rechtsgerichteten Youtuberin gesagt haben, man könne Migranten „erschießen“ oder „vergasen“. Das hatte „Zeit-Online“ berichtet. Bei dem Treffen in einer Bar in Berlin-Mitte soll Lüth auch gesagt haben: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.“

          Auf die Nachfrage, ob es in seinem Interesse wäre, dass noch mehr Migranten nach Deutschland kommen sollten, soll Lüth weiter gesagt haben: „Ja. Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“

          Das Gespräch mit der Youtuberin Lisa Licentia wurde von einem Fernsehteam des Senders ProSieben mit verdeckter Kamera aufgenommen. Es soll am Montagabend in einer Dokumentation über Rechtsextremismus zu sehen sein. In dem Film wird Lüth aus rechtlichen Gründen nur „hoher AfD-Funktionär“ genannt. Die Aufnahme sei zustande gekommen, weil die YouTuberin sich aus der rechtsradikalen Szene lösen wollte und deshalb Kontakt mit einem Journalisten von Pro Sieben aufgenommen hatte.

          Lüth war seit Gründung der AfD 2013 erst als Parteisprecher, später als Sprecher der Bundestagsfraktion eine einflussreiche Person innerhalb der Partei. Im April war er von seiner Sprecherfunktion in der Fraktion beurlaubt worden, nachdem bekannt geworden war, dass er sich in einer Chatgruppe selbst als „Faschist“ bezeichnet hatte. Bei einer Sitzung der AfD-Fraktion vor zwei Wochen sei Lüth dann offiziell als Sprecher abgewählt worden, teilte sein Nachfolger Marcus Schmidt der F.A.Z. am Montag mit.

          Es sei zugleich beschlossen worden, dass der Fraktionsvorstand über seine weitere Verwendung entscheide. Lüth sei aber nicht als Medienkoordinator eingestellt worden, wie berichtet worden war. Das sei zwar eine Möglichkeit gewesen, die Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen. Zu den neuen Vorwürfen wollte sich Schmidt nicht äußern. Die AfD-Fraktion wolle sich zunächst „ein eigenes Bild“ machen. Lüth selbst reagierte auf eine Anfrage der F.A.Z. nicht.

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