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Ermittlungen gegen Edathy : Tief im Netz

Sieht sich als Opfer: Sebastian Edathy Mitte Januar in Berlin Bild: dpa

In einem Monat beginnt das Verfahren gegen Sebastian Edathy. In mühevoller Kleinarbeit haben die Ermittler viel Düsteres zusammengetragen. Sie gewähren einen tiefen Einblick in die Machenschaften der Pädophilenszene.

          9 Min.

          In gut einem Monat, am 23. Februar, wird vor dem Landgericht Verden der Prozess gegen Sebastian Edathy beginnen. Es ist, wenn man bisherigen Einlassungen des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Glauben schenkt, der Prozess gegen einen Unschuldigen. Zumindest im Sinne des Strafrechts. Edathy spielt bis heute die Sachverhalte, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, öffentlich herunter. Dass er strafbares kinderpornographisches Material konsumiert haben könnte, weist Edathy von sich. „Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber, ohne darüber öffentlich Rechenschaft abzulegen zu haben“, ließ er bereits im März vorigen Jahres die Zeitschrift „Spiegel“ über seine Vorliebe für die Bilder nackter Jungs wissen. „Wenn es legal ist, geht dieses Verhalten aber zugleich niemanden etwas an.“

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Edathy ging sogar noch weiter: Er stritt nicht nur ab, strafbares Material besessen zu haben, sondern sogar, entsprechende Neigungen zu haben. „Ich will an dieser Stelle ganz klar sagen: Ich bin nicht pädophil.“ Die bei ihm gefundenen Bilder seien nicht nach den Kategorien des Strafrechts zu beurteilen, sondern in den Kategorien der bildenden Kunst zu verstehen. „In der Kunstgeschichte hat der männliche Akt, auch der Kinder- und Jugendakt, übrigens eine lange Tradition“, erklärte Edathy. Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft, die dieser Zeitung vorliegen, legen jedoch einen anderen Schluss nahe. Es geht um Bilder von Knaben, auf die von seinem Laptop aus zugegriffen wurde, und die nun Gegenstand der Anklage sind.

          Älterer PT, befummelt von einem Mann

          Auf die Spur Edathys waren die Behörden über jene Filme und Fotos gekommen, die er bei dem kanadischen Kinderpornographie-Vertreiber Azov bestellt hatte. Darauf sind nach Auskunft der Staatsanwaltschaft „nackte Knaben“ im Alter zwischen 9 und 14 Jahren zu sehen, die „toben und spielen, in natürlichen Posen sitzen und sich darstellen. Alles jedoch in Bezug zu den Genitalien.“ Edathy selbst gab dazu später an, bei der Bestellung „war nicht ansatzweise zu erkennen, dass es sich um anderes als legales Material handeln könnte.“

          Bei den Durchsuchungen bei Edathy am 10. Februar 2014 wurden dann auch einige Bilderhefte gefunden, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als indizierte Medien geführt werden: „Boys in ihrer Freizeit“, „Adam Junior“ und „Buben – in Freiheit dressiert.“ Die strafrechtliche Relevanz dieses Materials sei zu prüfen, befanden die Ermittler.

          Brisanter sind die bei Edathy gefundenen Hinweise auf härteres Material. Der SPD-Politiker hatte möglicherweise noch versucht, seine Spuren zu verwischen. Darauf deuten etwa Papierschnipsel hin, die in der Akte als Asservate geführt werden. Die Beamten fischten die Schnipsel bei der Durchsuchung von Edathys Wohnung in Rehburg aus dem Mülleimer und konnten sie später wieder zusammensetzen. Es handelte sich sowohl um Ausdrucke als auch um handschriftliche Aufzeichnungen. Die Ermittler gelangten zu dem Schluss, dass diese zum Teil vermutlich von Edathy selbst angefertigt wurden und für den Tatvorwurf relevant sein könnten.

          Auf den handschriftlich, in englischer Sprache abgefassten Notizen beginnt eine der Schilderungen folgendermaßen:

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