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Schwarz-Grün : „Nichts ist schlecht an Bullerbü“

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Fühlt sich nicht spießig: Robert Habeck Bild: dpa

Robert Habeck ist Grüner. Im Interview spricht der stellvertretende Ministerpräsident Schleswig-Holsteins über grüne Selbstgerechte, schwarze Spießer und die Möglichkeit einer Koalition zwischen beiden. Volker Zastrow spielt die CDU.

          Als die Grünen gegründet worden sind, schien es völlig ausgeschlossen, dass sie jemals mit der Union Politik machen könnten. Inzwischen kann man an verschiedenen Orten auf schwarz-grüne Experimente gucken, etwa in Frankfurt. In der Regel läuft das eigentlich ganz gut. Haben Sie dafür eine Erklärung, obwohl Sie selbst in Schleswig-Holstein mit der SPD koalieren und regieren?

          Und das sehr gut. Viele grüne Themen, die vor zwanzig Jahren vielleicht noch exotisch erschienen oder Nischenthemen waren, sind inzwischen ja geradezu hegemonial geworden. Nicht nur beim Atomausstieg, sondern etwa auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gesunder Ernährung oder gesellschaftlichen Rollenbildern, etwa bei der Frage: Was für ein Vater willst du sein? Das reicht alles weit über das grüne Wählerpotential hinaus und hat natürlich auch die Union längst erfasst.

          Offenbar ist Arroganz auch grün. Ist es nicht ziemlich anmaßend, all diese Themen und Entwicklungen für Ihre Partei zu vereinnahmen? Andererseits wollen die Grünen an manche früheren Standpunkte am liebsten gar nicht mehr erinnert werden. Ich fände es nur gut, wenn der grüne Hochmut sich dabei ein wenig abflachen würde.

          Das ist doch bereits der Fall. Es stimmt, dass es viele Einflüsse auf die Grünen gab, nicht nur ökologische. Etwa die Friedensbewegung oder die Frauenbewegung oder die K-Gruppen. Dieses Erbe findet sich neben dem Programm vor allem in den Spielregeln und der Kultur der Partei wieder. Aber trotzdem: Wir sind nun einmal die Grünen, nicht die Lilanen oder die Knallroten. Über die Jahre hin hat sich der ökologische Politikstrang als stärkster erwiesen. Das Ökologische ist der Kern der Partei. Und der ist anschlussfähig auch an einen konservativen Diskurs. Aber um bewahren zu können, muss man die Dinge verändern. Die Union setzt eher auf Stabilität und die Grünen stark auf Veränderung. Das teilen sie mit den linken Parteien.

          Im Mittelpunkt einer christlich begründeten Politik steht die „conditio humana“, der Mensch auch in seiner Beschränktheit und Begrenztheit, seiner Verletzlichkeit. Der Angelpunkt einer solchen Politik ist, dass sie nicht etwa einen neuen Menschen schaffen kann, sondern sich ihm gewissermaßen anpassen muss.

          Das passt zu dem, was ich in meiner Partei sehe – aber wo wir uns noch nicht endgültig entschieden haben. Wenn man einen Naturbegriff definiert, der, ohne den Menschen, quasi göttlich ist, einen Eigenwert in sich hat, dann weiß man, was die Wahrheit dieser Natur ist. Und das lädt dann eben dazu ein, die Erde ohne den Menschen zu denken. Der Mensch ist ein Störenfried auf dem Globus. Mein Politikverständnis ist das nicht. Es ist romantisch, aber falsch. In Wahrheit arbeitet die Partei daran, die menschlichen Eingriffe in die Natur durch menschliche Regeln zu beschränken. Die Politik muss sich selbst in den Arm fallen, um nicht totale Zerstörungen oder unumkehrbare Schäden anzurichten. Das ist aber ein rationaler Zugang. Der andere wäre ein mythischer, der immer recht zu haben meint.

          Schwarz-grüne Koalitionen in Städten und Gemeinden operieren meist ziemlich pragmatisch. Diese Politik scheint sich auf die Herstellung einer lebenswerten Umgebung zu konzentrieren. Zum Beispiel im Verkehrswesen – und die Effekte sind ziemlich stark, etwa zugunsten des Radfahrens. So etwas kommt bei vielen als Zunahme von Lebensqualität an, unabhängig von politischer Orientierung. Passt das?

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