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Schwarz-Grün in Hessen : Zwei Jungs aus dem Hüttendorf

Doch die Wähler wissen zu differenzieren. Selbst in dem vom Fluglärm besonders stark betroffenen Frankfurter Süden gewinnt Michael Boddenberg von der CDU bei der Landtagswahl am 22. September das Wahlkreismandat. Boddenberg stellt sich der Diskussion mit aufgebrachten Bürgern und entwickelt sich zum Experten in Anflugverfahren und Schallschutz. Das kommt besser an als die irreale Forderung des SPD-Kandidaten, der entgegen der Parteilinie für die Schließung der Landebahn eintritt.

„Man muss ein solches Ergebnis zur Kenntnis nehmen“, fordert Jutta Ebeling. Und sie fügt nüchtern hinzu: „Die Chance, in der Flughafen-Frage etwas zu verbessern, ist mit der CDU genauso groß oder klein wie mit der SPD.“ Die meisten führenden Grünen sehen das auch so, nicht zuletzt Frank Kaufmann, der Flughafenfachmann der Landtagsfraktion. Nach der Eröffnung der Landebahn kann es nur noch darum gehen, die Lärmbelastung der Anrainer zu reduzieren. Und da hält mancher sogar die CDU für handlungsfähiger als die SPD.

„Dieser Weg wird kein leichter sein“

Boddenberg und Kaufmann spielten eine bedeutende Rolle in jener Kommission, welche die Details für den schwarz-grünen Kompromiss zum Flughafen aushandelt. Die Grundlinien lauten, das Nachtflugverbot möglichst von sechs auf sieben Stunden auszudehnen und den Fluglärm zu deckeln. Zudem soll der Flughafenbetreiber Fraport noch einmal prüfen, ob das geplante dritte Terminal tatsächlich gebraucht wird.

Es wird keine leichte Aufgabe gewesen sein, einen auch im Detail tragfähigen Kompromiss zu finden, mit dem Al-Wazir und Bouffier jeweils vor die eigene Partei treten können. Aber eine Fixierung auf dieses Thema ist auch unter den Grünen nicht festzustellen. Die Chancen, dass der ausgehandelte Vertrag akzeptiert wird, stehen 33 Jahre nach Bouffiers Besuch im Hüttendorf nicht schlecht.

Es schlösse sich in gewisser Weise sogar ein Kreis. Als Bouffier damals durch das Hüttendorf geht, entgeht ihm offenbar nicht, dass die Startbahngegner nicht nur aus Langhaarigen bestehen, sondern auch aus Grauhaarigen. Die Protestierer werden von „Küchenbrigaden“ versorgt, und die bestehen vorwiegend aus älteren Frauen, die in den umliegenden Gemeinden leben und Kittelschürzen des Kleinbürgertums tragen. Im Hüttendorf werden Grenzen zwischen Milieus und Generationen überwunden.

Nach seinem Besuch im Widerstandsdorf im November 1980 gibt Bouffier eine Erklärung ab. Er sagt, wichtige Fragen zum Bau der Startbahn West seien noch nicht geklärt. Die Argumente der Umweltschützer und Bürgerinitiativen müssten sehr ernst genommen werden. Der Landesvater-Duktus des späten Bouffier, der den Hardliner der mittleren Jahre hinter sich lässt, deutet sich hier schon an.

Al-Wazir hätte als Minister einige Machtmittel in der Hand

Bleibt die spannende Frage, wie Al-Wazir seine Rolle interpretieren wird. Als Wirtschafts- und Verkehrsminister, der er werden möchte, hätte Al-Wazir einige Machtmittel in der Hand, um den Flughafenbetreiber zu ärgern.

Das wissen auch die Flughafengegner, und sie werden ihn immer wieder darauf hinweisen. Als Al-Wazir am Abend des 21. November in Andeutung auf die schwarz-grünen Gespräche twittert „Dieser Weg wird kein leichter sein“, da untertreibt er nicht.

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