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Schusswaffeneinsatz : Was man in der AfD Frauke Petry vorwirft

Frauke Petry, so der Vorwurf einiger Funktionäre, vermische Privates und Politisches. Bild: dpa

Im AfD-Vorstand ist Frauke Petry massiv kritisiert worden. Auf einem „Geheimtreffen“ sprach man von ihr gar als strategisches Risiko. Petry greift derweil die Presse an und klagt über „sinnentstellte“ Wiedergabe.

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          Vertreter der AfD-Führung haben am Dienstag in einer Vorstandssitzung die Bundesvorsitzende Frauke Petry für ihren Führungsstil kritisiert. Das erfuhr die F.A.Z. aus Teilnehmerkreisen. In der Telefonkonferenz wurde nicht nur über Petrys Äußerung zu einem möglichen Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge gesprochen. Gestellt wurde auch die Frage, ob Petry ihren Führungsstil überdenken sollte. Einer der Vorwürfe lautete, sie vermische Privates mit Politischem.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als Beispiel nannten Vorstandsmitglieder das Vorgehen von Petrys Lebensgefährten, dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, gegen einen Journalisten der Zeitung „Die Welt“. Pretzell hatte diesem kürzlich vorgeworfen, er habe der AfD den Abschluss eines Beratervertrags über 4000 Euro angeboten. Weil Petry das abgelehnt habe, berichte der Journalist seither besonders kritisch über sie und ihn, schrieb Pretzell auf Facebook mit einer Illustration in offizieller Parteiaufmachung. Der Springer-Verlag, zu dem „Die Welt“ gehört, hatte alle Vorwürfe als falsch zurückgewiesen und rechtliche Schritte angedroht.

          Petry klagt über „sinnentstellte“ Wiedergabe

          Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen hatte sich bei dem Journalisten entschuldigt. Kritisiert wurde Petry nun im Bundesvorstand dafür, dass Pretzell, obwohl aus persönlichen Motiven handelnd, ein Parteilogo verwendete und offenbar über Informationen verfügte, die nur von Petry stammen konnten. Auch Petrys Führungsstil wurde kritisiert. So wurde bemängelt, dass der Vorstoß zum möglichen Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge nicht mit dem Vorstand abgestimmt gewesen sei. Petry selbst wollte gegenüber der F.A.Z. keine Stellungnahme dazu abgeben.

          Auch in anderen Zirkeln wird sie kritisiert. Ranghohe Funktionäre wie Thüringens Landesvorsitzender Björn Höcke oder Nordrhein-Westfalens Landesvorsitzender Martin Renner nahmen nach Informationen der F.A.Z. am vorvergangenen Sonntag an einer von den Organisatoren als „Geheimtreffen“ angekündigten Veranstaltung von 30 bis 40 Parteimitgliedern in Thüringen teil. Bei den dortigen Gesprächen wurde laut Teilnehmern von Petrys Amtsführung als einem strategischen Risiko gesprochen. Ein ranghoher Vertreter des rechten Parteiflügels sagte der F.A.Z. zudem, die AfD solle scharfe Forderungen erheben, diese aber sachlich und ansprechend präsentieren. Mit ihrem Vorstoß zum Schusswaffengebrauch falle Petry deshalb aus der ihr zustehenden Rolle.

          Petry griff am Dienstag die Zeitung „Mannheimer Morgen“ an, die das Interview mit ihr veröffentlicht hatte. Sie warf der Zeitung eine „verkürzte und völlig sinnentstellte“ Wiedergabe ihrer Worte vor. „Man wollte die Schlagzeile produzieren, dass die AfD auf Flüchtlinge schießen will“, sagte Petry in Dresden. Das habe aber niemand gesagt. Sie halte das „für journalistisch total inakzeptabel“. Überdies sei das Interview im „Stil eines Verhörs“ geführt worden.

          „Ich habe ausreichend Unterstützung“

          Der Chefredakteur des „Mannheimer Morgens“, Dirk Lübke, wies die Vorwürfe zurück. „Die perfide Tabu-Brecherin Petry stilisiert sich gerade zum kleinen, ahnungslosen Mädchen, was nicht wusste, was es gesagt hat“, äußerte Lübke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Was ist daran nötigend, wenn Frauke Petry uns selber das Interview angeboten hat, sie und ihr Sprecher jedes Wort zur Autorisierung vorgelegt bekommen haben, jedes Wort und jeden Satz mehrmals gelesen und schließlich zur Veröffentlichung freigegeben haben?“ Petry hatte der Zeitung gesagt, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen verhindern, „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.“

          Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall, kritisierte: „Es ist billiger Populismus der AfD-Chefin, sich auf Kosten der Medien aus der Schusslinie ziehen zu wollen.“ Und: „Als Parteivorsitzende muss sie schon zu dem stehen, was sie nachweislich gesagt hat.“

          Ihre Führungsrolle in der eigenen Partei sieht Petry nicht in Frage gestellt. „Ich stehe da, wo ich stehe, und ich glaube, ich habe ausreichend Unterstützung hinter mir“, sagte sie in Dresden: „Sehe ich so aus, als sei ich unter Druck?“

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