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Umweltministerin Schulze : Sie ist wieder da

  • -Aktualisiert am

Gastgeberin des Petersberger Klimadialogs: Bundesumweltministerin Svenja Schulze Bild: EPA

Umweltministerin Svenja Schulze findet wieder Gehör für ihre Themen. Das Konjunkturprogramm für die Zeit nach Corona müsse ökologisch geprägt sein, fordert sie.

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          Es gibt Minister und Ministerinnen, die in der Corona-Krise zu großer Form auflaufen. Der Wirtschafts- und der Finanzminister zählen dazu, selbst die Bildungsministerin ist so präsent wie lange nicht. Um ein anderes Mitglied des Kabinetts war es dagegen zuletzt ruhig geworden: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). In einer Zeit, in der Regierungsarbeit vor allem Virenabwehr bedeutet, rückt der Klimaschutz naturgemäß in den Hintergrund.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Doch der alljährliche Petersberger Klimadialog, der an diesem Dienstag zuende geht, könnte eine Trendwende markieren. In der Gesellschaft stellt sich mit Blick auf die Pandemie ein gewisser Gewöhnungseffekt ein. Die Fridays-for-Future-Bewegung wird wieder lauter, wenn auch vorerst nur im Internet.

          Als Schulze vor einigen Wochen der Hauptstadtpresse darlegte, eine Pandemie wie die aktuelle habe ihre Ursache auch im Raubbau des Menschen an der Natur, war das Interesse noch überschaubar. Am Montag fand sie mit ihrem Hinweis, gegen den Klimawandel gebe es eine Impfung, mehr Elektromobilität, mehr erneuerbare Energien, schon mehr Gehör.

          Die ehrgeizigen Ziele der neuen EU-Kommission, ein klimaneutrales Europa bis 2050, sind ganz in Schulzes Sinne. Anders verhält es sich mit der Corona-bedingten Absage des Weltklimagipfels, der eigentlich im November in Glasgow stattfinden sollte. Schon Anfang des Jahres liefen sich die Ministerin und ihr Haus für diese Konferenz warm. Nun heißt es warten bis zum nächsten Jahr.

          Niemand unterschätzt sie mehr

          Wenn Schulze in Berliner Hintergrundrunden einen Fachbegriff an den nächsten reiht, dann wirkt es, als hätte sie nie etwas anderes als Klima- und Umweltschutz gemacht. Doch dem ist nicht so.

          Die gebürtige Düsseldorferin kam Ende der neunziger Jahre als jüngste Abgeordnete in den nordrhein-westfälischen Landtag. 2010 wurde sie in Düsseldorf Wissenschaftsministerin. Ihr größter politischer Erfolg in dieser Zeit: die Abschaffung der Studiengebühren. Ihre Berufung nach Berlin im Frühjahr 2018 mutete wie eine Quotenbesetzung an. Frau, unter 50, aus Nordrhein-Westfalen, das passte ins Kabinettstableau.

          Doch so manches männliche Kabinettsmitglied, das Schulze in ihrer fröhlich-unbekümmerten Art anfangs belächelte, unterschätzt sie mittlerweile nicht mehr.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Schulze schon mehr als einmal öffentlich den Rücken gestärkt. Demnächst wird es in Berlin um die Frage gehen, wie ökologisch das Konjunkturprogramm für die Zeit nach Corona ausfallen soll.

          Die Autoindustrie will auch moderne Verbrennungsmotoren gefördert sehen. Doch Schulze, inzwischen konflikterprobt, hat schon Widerstand angekündigt. Sie sieht die Corona-Krise nicht nur als Anlass, sondern geradezu als Auftrag für mehr Klimaschutz.

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